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Verena Naegele: Viktor Ullmann - Komponieren in verlorener Zeit
Erscheinungsdatum: 02.03.2002

ISBN 3920862406
432 Seiten, 32 Abbildungen, gebunden

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Verena Naegele
Viktor Ullmann - Komponieren in verlorener Zeit

Buchbeschreibung

»So spät ist es, so späte… Was werden wird, ich weiss es nicht. Es dauert nicht mehr lange, mir wird so bange und seh in der Tapete das klagende Gesicht.« Karl Kraus von Viktor Ullmann über seine 5. Klaviersonate geschrieben Der fremde Passagier« so nennt der deutsch-böhmische Musiker Viktor Ullmann sein Tagebuch in Versen. Ruhelos reist er umher, versucht sich als Kapellmeister, Publizist, Buchhändler und als Komponist, und überall ist er fremd und heimisch zugleich. Geboren wird Viktor Ullmann am 1.1.1898 in Teschen als Sohn eines k.u.k. Berufsoffiziers. Nach der aktiven Teilnahme am Ersten Weltkrieg wird er für kurze Zeit Schüler von Arnold Schönberg in Wien. 1919 übersiedelt er nach Prag, wo er bei Alexander Zemlinsky am »Neuen deutschen Theater« arbeitet. Wien, Prag, Aussig, Zürich, Stuttgart und abermals Prag sind seine Stationen. Dann folgt der große Bruch: die Nazis deportieren Ullmann 1942 nach Theresienstadt, seiner letzten Lebensstation. Den Zweiten Weltkrieg mit seinen Greueltaten überlebt der jüdische Musiker nicht. Mit einem der letzten Herbsttransporte wird Viktor Ullmann 1944 nach Auschwitz gebracht und vergast. 1975 wird er neu entdeckt. In Amsterdam spielt man seine im Ghetto Theresienstadt komponierte Oper »Der Kaiser von Atlantis«. In Dresden 1996 seinen Einakter »Der zerbrochene Krug«. Klavierstücke Ullmanns werden inzwischen von vielen Künstlern gespielt. Gerd Albrecht verbreitet mit der Tschechischen Philharmonie die Musik des Komponisten. Viktor Ullmanns Leben war voller tragischer Ereignisse und doch so voller Hoffnung, immer geprägt von einem nie erlahmenden Willen zu schöpferischer Tätigkeit. Verena Naegele zeigt dieses unstete Musikerleben in Wechselwirkung mit den brennenden Fragen einer politisch und geistig »verlorenen« Zeit. »Ich habe in Theresienstadt ziemlich viel neue Musik geschrieben, ? zu betonen ist, dass ich in meiner musikalischen Arbeit durch Theresienstadt gefördert und nicht etwa gehemmt worden bin, dass wir keineswegs bloß klagend an Babylons Flüssen saßen und dass unser Kulturwille unserem Lebenswillen adäquat war.« »Auf dem Platze des Ubergangs nun steht, nicht schwankend, sondern fest in schöpferischer Urkraft wurzelnd: Alban Berg. Hier finden wir eine Balance der Kräfte ohnegleichen. Tiefe Liebe zu den Schätzen der alten wie der neuen Musik verbindet sich in seinem Werke zu einer organischen Synthese.« Viktor Ullmann

Pressestimmen

Ein Lese- und Nachlagebuch über ein Künstlerschicksal in einer der dunkelsten Perioden der jüngsten Geschichte. Intelligent und schnörkellos direkt in der Sprache, dazu wissenschaftlich genau, was sich auch im Anhang von Anmerkungen und Bibliographie, Werkverzeichnis und Personenregister niederschlägt. Ein Buch, das ich auch jemandem schenken würde, der sich nur am Rande für Musik interessiert.

SCHWEIZER RADIO DRS

In den letzten Jahren sind die Werke des österreichischen Komponisten Viktor Ullmann nach und nach ins Konzertleben und ins öffentliche Bewusstsein zurückgekehrt. Nun ist eine umfangreiche Darstellung seines Lebens erschienen – die erste Ullmann-Biografie überhaupt. Die Autorin Verena Naegele macht im Vorwort deutlich, »dass hier keine reine Biographie über Viktor Ullmann vorliegt«, sondern ein Zeitbild mit Ullmann als Bezugspunkt.

Basler Zeitung

Ullmann war kein politisch motivierter Künstler, vielmehr schaffte er es, sich von der Außenwelt abzukapseln und sich hochkonzentriert seiner künstlerischen Arbeit zu widmen. Je größer die Katastrophen außen, dest o dichter die Ballung im Innern). Eine Taktik, die sich nach Meinung der Autorin, Ullmann schon als 19-jähriger während des ersten Weltkriegs zugelegt hat. Trotzdem die zweijährige Inhaftierung zu Ullmanns produktivster Zeit wurde, will die Autorin ihn nicht auf einen Theresienstädter Komponisten begrenzen. Im Gegenteil, sie interessiert der Mensch hinter und besonders vor all den erschütternden Zuständen. Ihre ausführliche und durchgehend reflektierende Darstellung erzählt von 44 Jahren, die der 1898 geborene Ullmann als österreichischer Staatsbürger mal gut, mal weniger gut verbracht hatte. Da waren Kaiserreich und Erster Weltkrieg, Neubeginn und Höhenflüge der Zwanziger Jahre, aufkeimende politische Resignation und schließlich die nationalsozialistische Diktatur. Umsichtig wandert die Autorin chronologisch zu Ullmanns Lebensstationen, verfolgt die jeweiligen Strömungen, von denen sich Ullmann immer wieder mitreißen ließ, wie er sich, ganz Kind seiner Zeit, gewissen Trends auch nicht entziehen konnte. Viruos entfaltet sich dabei das Netzwerk der musikalischen Avantgarde und ihrer gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen, die gerade den Schülerkreis um Schönberg so charakterisieren.

Bayerischer Rundfunk

»Der Kaiser von Atlantis« ist in den letzten Jahren häufig, so auch in Luzern und in Zürich, aufgeführt worden und hat den bis dato unbekannten Viktor Ullmann in aller Munde gebracht. Das führte dazu, dass man den Komponisten fast ausschliesslich mit diesem Werk identifizierte. Ein grosser Vorzug der nun erschienenen Ullmann-Biografie von Verena Naegele ist, dass sie das ganze Leben und das ganz Werk nachzeichnet, so weit dies überhaupt bei der präkeren Quellenlage möglich ist.

Der Landbote

Bis jetzt stand eine umfassende Studie zu Leben und Werk Ullmanns, der 1942 nach Theresienstadt deportiert und zwei Jahre später in Auschwitz ermordet wurde, noch aus. Mit ihrem fast 500 Seiten umfassenden Werk »Viktor Ullmann – Komponieren in verlorener Zeit« hat Verena Naegele jetzt diese Lücke gesschlossen. Detailliert und kenntnisreich stellt sie den Lebensweg Ullmans dar. Von seiner Jugend in Teschen und Wien über die kurze Lehrzeit bei Arnold Schönberg und seiner Tätigkeit als Komponist und Kapellmeister in Prag, Aussig und Zürich bis zu den letzten, äußerst produktiven Jahren im Konzentrationslager. Dabei beschränkt sich die Autorin keineswegs auf das Leben Ullmanns, sondern zeichnet immer auch ein Bild des gesellschaftlichen und politischen Rahmens, der vor allem durch die zwei Weltkriege bestimmt wurde. Daneben wird auch das künstlerische Umfeld Ullmanns, etwa seine besondere Wertschätzung der Arbeiten Alban Bergs, ausführlich dargestellt. Einen besonderen Schwerpunkt legt Naegele auf Ullmanns Kriegserfahrungen als junger Soldat an der italienischen Front während des ersten Weltkriegs sowie die psychischeen und künstlerischen Folgen dieser Erlebnisse für den jungen Komponisten. Genau beschrieben wird auch der Untergang des überkommenen Herrschaftssystems der k. u. k. Monarchie und die Reaktion der jungen Generation auf die neue Gesellschaftsordnung. Es ist bewundernswert, mit welcher Akribie die Autorin die nicht sonderlich zahlreichen Dokumente zu Leben und Werk Ullmanns zusammengetragen und zu einem spannenden Panorama der Zeit verknüpft hat. Politische Entwicklungen werden in diesem Zeitbild ebenso mit einbezogen wie die Charakterisierung anderer Musiker seiner Generation, das musikalische Leben in den verschiedenen Städten, in denen Ullmann wirkte oder die präzise Darstellung der Musikpolitik im Dritten Reich. Insgesamt bietet die Studie eine Fülle an Materialien zu Leben und Schaffen Ullmanns sowie Bildmaterial und ein Verzeichnis der erhaltenen Werke. Die übersichtlich strukturierte Darstellung macht das Buch zu einem Standardwerk, an dem in Zukunft niemand herum kommen wird, der sich mit diesem Komponisten intensiver auseinandersetzen will.

Fono Forum 07/02

Mit der Darstellung von Ullmanns Leben – von der Jugend in Wien vor dem Krieg über die kurze Lehre bei Schönberg bis zur Tätigkeit als Dirigent und Komponist in Prag, Aussig, Zürich iund Stuttgart – tritt zugleich die Entwicklung einer ganzen Generation von Intellektuellen und Künstlern hervor, ohne daß darum die Unterschiede zwischen den enggeführten Biographien – von Hanns Eisler, Ernst Krenek, Karl Rankl, Erwin Ratz, Erwin Schulhof, Friedl Dicker u.v.a. – verlorengingen.

KONKRET 8 / 2002

Die erschütternde Biografie eines Musikers, dessen Werke durch die Zeitumstände teils unbekannt geblieben sind, teils als verloren gelten. Nicht nur für Musikkenner lesenswert. Für größere Bestände sehr zu empfehlen!

Buchprofile Jg. 47 / 2002, Heft 3

Eine kenntnisreiche und sehr einfühlsame Biographie

Passauer Neue Presse