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Erasmus Schöfer: Sonnenflucht
Erscheinungsdatum: 01.09.2005

ISBN 978-3-937717-16-6
380 Seiten, gebunden

Preis: 19,80 €



Auch als E-Book erhältlich!

Erasmus Schöfer Sonnenflucht

Band 3 der Tetralogie »Die Kinder des Sisyfos«

Buchbeschreibung

Sonnenflucht« ist der dritte Roman aus dem vierteiligen Epos »Die Kinder des Sisyfos« über die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1968 und 1989. Dessen erste Bände »Ein Frühling irrer Hoffnung« und »Zwielicht« sind bereits erschienen. Schöfer schreibt eine literarische Geschichte von unten. Seine Protagonisten gestalten ihr Leben aktiv, sie leisten Widerstand und denken in die Zukunft. Kritiker sehen diese Romane in der Tradition von Peter Weiss (»Ästhetik des Widerstands«) und Uwe Johnson (»Jahrestage«). Die Romane Schöfers sind phantasievolle und sprachmächtige Erzählungen aus einer auch heute noch wirksamen Vergangenheit. In »Sonnenflucht« treffen wir erneut Schöfers Hauptfiguren Viktor Bliss, den unfreiwillig arbeitslosen Geschichtslehrer und dessen Freund, den Metallarbeiter Manfred Anklam. Der Betriebsrat Anklam hat sich auf den Weg in den Süden gemacht, um seinen heimatflüchtigen Freund Bliss von dessen Ägäisinsel zurück in die deutsche Realität zu holen. Auf der Rückreise, im Athen des Sommers 1980, treffen sie die Studentin Katina und erleben die Wirklichkeit des modernen Griechenland. Mit einem Telefonanruf holt den Betriebsrat Manfred Anklam das unwirtliche Vaterland ein und zurück. Bliss bleibt in Athen. Der Tod von Katinas Freundin Sotiria bei einer Demonstration in der griechischen Hauptstadt und das große Waldbrennen um die Stadt treiben ihn aus seiner existenziellen Verzweiflung.

Pressestimmen

Der in Deutschland politisch wie privat gescheiterte Bliss ?verbrennt? sich beim Versuch, in den griechischen Widerstand zu gehen. Es ist aber nicht nur die sommerliche Hitze Athens, dem dem Roman Intensität verleiht, sondern Schöfers Prosa glüht auch vor Dynamik. Die Story entwickelt sich dramatisch, aber man spürt zugleich die fein abgestimmte erzählerische Distanz.
Die Geschichte der Linken wird ohne Wehmut und Nostalgie gezeichnet; es wird jedoch deutlich, wie es zu nostalgischer Verklärung kam. ?Sonnenflucht? hält dem linken Idealismus entschlossen den Spiegel vor.

Thomas Linden, KÖLNISCHE RUNDSCHAU

Der Zeitromanzyklus besticht durch seine Frische, den souveränen Umgang mit einer Fülle von Personen und durch psychologische Glaubwürdigkeit ?
Genau und detailfreudig verblüfft der Autor durch seine intimen Kenntnisse. Er verzichtet auf Schwarzweißmalerei und Folklore, schreibt exakt und sachlich.

Udo Dickenberger, STUTTGARTER ZEITUNG

Im Jahre 1986 erschien Erasmus Schöfers erster Roman. Einer einer großen Besprechung hat ihn Frank Benseler einer linken Leserschaft empfohlen: ?Ein Buch der Widersprüche, der stillen Wut über die Stärke des Kapitalismus, der heimlichen Hoffnung auf das ganz andere, das nicht Bezahlbare: Solidarität, Zusammenarbeit in einer Welt, die von Ungerechtigkeit erfüllt ist.?
Der damals von Schöfer im Untertitel als ?Gegenwartsroman? bezeichnete Text ist nun als dritter Teil der geplanten Tetralogie ?Die Kinder des Sysifos? erschienen ?
Der Autor nutzt die fremde Folie Griechenlands, um in Diskussionen zwischen den beiden Freunden, die im Wechsel als Erzähler auftreten, die Positionen und Verwerfungen der Linken zu verdeutlichen: in der Bundesrepublik, aber auch im Griechenland der Juna ?
Gerade heute! fügt sich sieser Teil von Schöfers ?großer Erzählung? über die westdeutsche Geschichte von 1968 – 1989 passgenau in die Erinnerung(sarbeit) an eine ? auf durchaus selbstverschuldete Weise ? paralysierte Linke.

Werner Jung, NEUES DEUTSCHLAND

Wir schreiben das Jahr 1980: Das Land normalisiert sich nach Ende der Militärdiktatur; die Linken, vor allem auch Studenten, kämpfen aber weiter für die Stabilisierung und Weiterentwicklung der Demokratie.
Die Schilderungen von Privatem und Politischem, von Liebe und Einsamkeit, Resignation und neuem Widerstandswillen, ferner Natur- und Großstadtszenen sind in Schnitt und Gegenschnitt zu einer farbigen Montage zusammengefügt, bei der auf das Geschichtliche und Politische immer wieder angespielt wird ?
Die alltags-heroische ?Lebensmelodie?; sie kündet von dem absurden Glück des Scheiterns, das den eingeschlagenen Weg in seiner Richtigkeit bestätigt, obwohl oder gerade weil das Ziel unerreichbar bleibt. Lebensleid und Lebenslust sind die beiden Seiten derselben Medaille.

Hermann Glaser, NÜRNBERGER NACHRICHTEN

Beklemmende Szenen von immer neuen Niederlagen der Linken in der Bundesrepublik schildert Erasmus Schöfer in seinem Roman Sonnenflucht. Und keine dieser Szenen wirkt veraltet, nichts ist heroisch erledigt, im Gegenteil: Das Scheitern ist noch mehr als damals zum Thema und Trauma vieler Linker geworden ?
Auch die griechische Geschichte und Gegenwart, in die sich Bliss vertieft, bieten keinen Trost, sondern schrecklich Beispiele eines Terrors von außen und innen, der tiefe Verstörung bei den Linken hinterläßt. Und so gibt es auf keine der von Bliss gestellten schmerzlichen Fragen tröstende Antwort. Aber Teilnahme am Schicksal der Opfer. Und Erbitterung über die Täter .
Dieser Realismus findet sich in der Gegenwartsliteratur äußersst selbten. Gerade darum ist es gut, daß Schöfers auch formal und sprachlich gelungener Roman wieder vorliegt.

Eckart Spoo, OSSIETZKY

Erasmus Schöfer kümmert sich in seinem Zeitroman kaum um die 68er, obwohl das Werk wenig an zeitgenössischen Details und real existierenden Figuren ausläßt. Aber sie bleiben am Rand. Schöfer schreibt von jenen, die Land und Gesellschaft ernsthaft verändern wollten. Daß das Buch im besten Sinne episch wurde und vier Bände umfassen wird, hat mit dem Verlauf jener 22 Jahre, in denen es spielen soll, zu tun: Es geht um Hartnäckigkeit, um Vergeblichkeit, um geduldiges Arbeiten und Selbstvergewisserung. Das hört sich abstrakter an als es ist. Die Kritik sah bei den ersten beiden Bänden ?Ein Frühling irrer Hoffnung? (2001) und ?Zwielicht? (2004) Alfred Döblin winken. Denn Schöfer montiert, modelliert, setzt Monologe gegeneinander, es gibt Briefe, Notizen, Lyrisches, wechselnde Schreibweisen, Heiteres, Ernstes, Tragisches, Komisches, Ironie und Melancholie. Wie es einem Panorama zukommt. Das erinnert an Literatur der 20er, aber: Zugleich ist es ebenso barock wie expressionistisch oder neu-sachlich, ebenso Simplicius Simpicissimus wie Franz Biberkopf. Geschildert wird die Entlassung aus politischer Naivität. Wer Werner Tübkes Panorama zum Bauernkrieg, der in der DDR auch ?frühbürgerliche Revolution? geannt wurde, gesehen hat, findet hier ein literarisches Pendant für heute. Die ?Ästhetik des Widerstands? von Peter Weiss war sein Leitbild.
?Die Kinder des Sysifos? ? das ist das Epos einer spätbürgerlichen Revolution, die nicht stattgefunden hat.

Arnold Schölzel, JUNGE WELT

»Ein großes und anspruchsvolles Unternehmen, ein Textarchiv der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, eine Literaturgeschichte in der Literatur ein Romanzyklus gegen die Resignation ein Mittel gegen linke Melancholie.«

die tageszeitung

»Schöfer hat jenen Jahren ihre Vieldeutigkeit zurückgegeben. Indem er von nichts als Schwierigkeiten erzählt, hat er den inzwischen zerschlissenen Weltverbesserungsträumen ihre Größe zurückgegeben.«

Walter van rossum, Deutschlandfunk

»Die Romane als Präsentation bundesdeutscher Geschichte der linken Bewegung seit den 60er Jahren sind ein großer Wurf. Das Unternehmen ist einzigartig, Schöfers Wissen und Kraft zur Verdichtung von immensem historischen Material bewundernswert.«

Prof. Dr. Rüdiger Scholz