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Willem de Vries: Sonderstab Musik
Erscheinungsdatum: 01.03.1998

ISBN 392086218X
384 Seiten, 67 Abbildungen, gebunden

Preis: 25,00 €

Willem de Vries Sonderstab Musik

Organisierte Plünderungen in Westeuropa 1940-45 Übersetzung: Antje Olivier

Buchbeschreibung

Das Buch behandelt einen düsteren Aspekt der Musikpolitik im NS-Staat: Die Tätigkeit des berüchtigten Einsatzstabes Rosenberg und seines »Sonderstab Musik« vor allem in Frankreich während der Okkupation durch die Wehrmacht. Die Musikwissenschaft der Bundesrepublik hat sich fünfzig Jahre lang um dieses Thema herumgedrückt – nur wegen einiger sogenannter Koryphäen, die mittlerweile oder immer noch den Ton angaben und daher zu schonen waren. Der Autor Willem de Vries scheut sich nicht, alle die Namen zu nennen, bis fast zur letzten Sekretärin. Er tut das sachlich und ohne daß der gerissenste Rechtsanwalt hier einen Ansatzpunkt für juristische Aktion entdecken würde. Einer der Tatbeteiligten, der jüngste der Uberlebenden, hatte de Vries bereits im Vorfeld der Arbeit mit Klage gedroht.

Pressestimmen

Einem weniger bekannten, wenngleich ebenso düsteren Aspekt der »Kulturpolitik« im NS-Staat, widmet sich eine neue und bislang einzigartige Untersuchung von Willem de Vries.

Hamburger Abendblatt

Beutemusik, wohin die geraubten Schätze verschwunden sind, bislang hat es niemand interessiert. Fast alle Täter des »Sonderstab Musik« wurden honorige Professoren an Deutschen Universitäten, wohl deshalb ist dieses Thema in Deutschland ein Tabu geblieben. Bis heute. Wir bleiben dran!

ARD - KULTURREPORT

Einem weniger bekannten, wenngleich ebenso düsteren Aspekt der »Kulturpolitik« im NS-Staat, widmet sich eine neue und bislang einzigartige Untersuchung von Willem de Vries.

BONNER GENERALANZEIGER

Die Universitätsleitung setzt Boettichers Vorlesung aus. Eine einmalige Entscheidung in der Geschichte der Göttinger Universität. Doch damit ist der Skandal um den Raubkunstprofessor vielleicht noch nicht zu Ende, ARENA fragt, woher stammt die wertvolle Instrumentensammlung im Göttinger Institut für Musikwissenschaft. »Wir haben herausgefunden, es gibt verblüffende Übereinstimmung mit den Transportlisten von Raubgut, die Boetticher selbst für den Sonderstab Musik angefertigt hat.« Der Raub der Musik, das vielleicht dunkelste Kapitel der deutschen Musikwissenschaft. Einer der letzten lebenden Verantwortlichen ist Wolfgang Boetticher.

ARENA, N3 FERNSEHEN

Die deutsche Übersetzung verdient nun breites Interesse, nicht nur wegen der Fülle recherchierter Details, sondern wegen der Persönlichkeitsbilder, die erkennbar werden: Porträts von skrupellosen Handlangern, die sich einer kulturellen Herrenrasse zugehörig wähnten. – Hier waren nämlich nicht Kulturbanausen in Uniform am Werk, sondern junge und ehrgeizigige Musikwissenschaftler aus Deutschland.

HESSISCHER RUNDFUNK

Seit 50 Jahren lehrt Professor Dr. Wolfgang Boetticher in Göttingen. Für manche Göttinger ist er bis heute ein Ehrenmann. Alle Informationen, die im Laufe der Jahre über sein Tun in der Nazizeit in die Öffentlichkeit gelangten, wurden von einem Schweige- und Beschönigungskartell als Verleumdungen ignoniert oder disqualifiziert.

FRANKFURTER RUNDSCHAU

Der Göttinger Musikwissenschaftler Prof. Wolfgang Boetticher hat sich gegen den Vorwurf gewehrt, an Raubzügen der Nationalsozialisten beteiligt gewesen zu sein.

GÖTTINGER TAGEBLATT

Auch er hat jedoch seine Rechnung ohne den holländischen Musikredaktor Willem de Vries gemacht, dem man die jetzt auch im Deutschen publizierten, ursprünglich auf englisch erschienenen Recherchen über die Raubzüge der Nazis im Bereich der Musik verdankt.

NEUE LUZERNER ZEITUNG

Diese Vorwürfe sind allerdings keine neuen. Nur war es Boetticher fünfzig Jahre lang gelungen, durch Vertuschen und Schweigen, durch geschicktes und von Kollegen gestütztes Taktieren, und wohl auch durch handfestes Lügen die Leitung der Georg-August-Universität von einer Aufklärung seiner Arbeit in den Jahren 1933-45 absehen zu lassen. Das war auch nicht allzu schwer gewesen, den Chorgeist dieses scheinbar so harmlosen Metiers ist es zu danken, daß in den wesentlichen Nachschlagewerken kompromitierende Funktionen die Musikwissenschaftlerinnen und Musikwissenschaftler unter dem Hakenkreuz innehatten wie auch deren einschlägige Publikationen verschwiegen werden, da die Kollegenschaft sich ja selbst die Lexikonartikel schreibt.

SWR

Jetzt hilft nur noch reden: Mehr als fünfzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges kann der deutsche Musikwissenschaftler Wolfgang Boetticher seine saubere Fassade nicht weiter aufrecht erhalten. Die Forschungen des Niederländers Willem de Vries über die Musikwissenschaft im Nationalsozialismus wurden ihm zum Verhängnis. In dessen Buch, das in diesen Tagen an der Georg-August-Universität in Göttingen wie ein Bombe einschlug, enthüllte der holländische Musikwissenschaftler und -kritiker erstmal die Verstrickung des Göttinger Professors in den Kunstraub der Nationalsozialisten.

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

So gibt es Transportlisten aus Paris, die die Unterschrift von Wolfgang Boetticher tragen. Er war Mitglied der NSDAP und der Waffen-SS. Nach dem Krieg wurde er Professor in Göttingen, … Auch, daß er, der als prominentester westdeutscher Schumann-Forscher galt, damals Schumann Briefe an Mendelssohn in nationalsozistischem Interesse gefälscht hatte, belegt Willem de Vries in einem legitimen Exkurs. Ein Thema, an das sich die deutsche Musikpublizistik bis heute noch nicht gewagt hat.

DEUTSCHLANDFUNK

Und die Schlüsselfigur … ist ein Mann namens Herbert Gerigk, der allerwichtigste, der Leiter des »Sonderstab Musik«. Dieser Mann, um das deutlich zu machen, daß dies alles andere als Schnee von gestern ist, vor kurzem ist er erst gestorben, der war nach dem Kriege mehrere Jahrzehnte angesehener Musikkritiker einer Zeitung im Ruhrgebiet und schrieb dort zum Beispiel über Schönberg.

WESTDEUTSCHER RUNDFUNK

Die musikologischen Ehrenmänner, die man bei de Vries findet, auch sie Hitlers willige Vollstrecker, haben nach 1945 munter ihre Karrieren fortgesetzt, ihre Vergehen vertuscht.

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG

De Vries hat viele Archive konsultiert, Nachkommen und Zeitzeugen befragt, arbeitet mit exakten Zahlen und Reproduktionen von Nazi-Schriftstücken, ist in seiner Argumentation nahezu unangreifbar. … Die SPD hat für den Fall ihres Regierungsantritts die Berufung eines Beauftragten für Beutekunst angekündigt. Vielleicht sollte man ihm de Vries’ Buch zu lesen geben als solide Grundlage seiner künftigen Arbeit.

RHEINISCHE POST

Akribisch ist der Niederländer Willem de Vries die Jahre des Nationalsozialismus zurückgegangen – und nicht nur die. Seine Recherche reicht bis in die Gegenwart. Ein detailliertes, ja beinahe minutiöser Abriß ist sein Buch »Sonderstab Musik« das Befehlshaber, Handlanger und Opfer gleichermaßen behandelt. Im sachlichen Ton beschreibt er den Aufbau des riesenhaften Operationsapparates, dessen Tentekel mit den Frontabschnitten wuchsen und verkümmerten.

THEDINGHÄUSER ZEITUNG

Es war an der Zeit, ein Thema aufzuarbeiten, das zu den großen und verschwiegenen Skandalen gehört, an denen das Dritte Reich ohnehin nicht arm war. Der niederländische Musikhistoriker Willem de Vries hat sich dieses Thema mit großer Akribie, mit aller wissenschaftlichen Objektivität und Redlichkeit angenommen.

KÖLNISCHE RUNDSCHAU

Erst dem Holländer de Vries gelang es, das Schweigen zu durchbrechen. Ein wenig gilt er wohl immer noch als Nestbeschmutzer: für die deusche Übersetzung seiner detail- und materialreichen Untersuchung hat er nur mit Mühe einen deutschen Verlag gefunden. Der Musikverlag Schott hatte abgelehnt, das Buch zu publizieren: man wollte sich wohl nicht ins eigene Fleisch schneiden, denn Wolfang Boetticher ist Autor des Verlags. Möglich wurde die deutsche Ausgabe bei einem Kölner Kleinverlag, allerdings nur dank großzügiger Sponsoren: neben der Ernst-Strassmann Stiftung in Bonn verhalf der Arbeitskreis Jüdisches Kulturerbe diesem nicht nur für die Musikwissenschaft wichtigem Buch zum Druck.

SFB / ORB

De Vries legt die Arbeitsteiligkeit und die perfiden ideologischen Rechtfertigungen des großen Stehlens, Hortens, Umverteilens, Verschiebens (bis nach Ratibor und Kloster Banz) minutiös dar – auch, daß kurz vor dem »Endsieg« große Teile der als Beute noch erkennbaren Bestände »zur Vernichtung vorbereitet« und angezündet wurden. Mit Herbert Gerigk, der nach dem Krieg als Feuilleton-Redakteur in Dortmund überdauerte, fast noch Kulturamtsleiter in Bochum geworden wäre und hochbetagt im Jahre 1996 verstarb, geht es im Enthüllungsbuch von Willem de Vries in die Tiefen der rigiden Organisationskunst, der Aktenberge und Intrigen.

BASLER ZEITUNG

Durch das Buch von de Vries wurde eigentlich aller weiterer Kunst des Wegsehens und Wegdenkens bezüglich der Verstrickungen Boettichers, aus dessen Institut eine Reihe der namhaften Musikwissenschaftler der alten Bundesrepublik hervorgingen, ein Riegel vorgeschoben.

taz

In nüchternen Worten wird da Ungeheuerliches geschildert, wie es freilich auch in allen anderen Kunstbereichen Usus war: die amtsmäßige Plünderung und Bereicherung in besetzten Ländern, bei Juden vor allem, aber auch in Museen, Bibliotheken und Archiven durch das Deutsche Reich und seine Schergen, brave Wissenschaftler oft, von denen viele bis heute unbestraft geblieben sind.

DIE WELT

Zumal für Kölner Leser hält die Lektüre unangehme Überraschungen bereit. Zu Gerigks Mitarbeitern im ERR gehörte auch Karl Gustav Fellerer – der frühere Ordinarius für Musikwissenschaft an der hiesigen Universität war einer der produktivisten und einflußreichsten Musikologen der Nachkriegszeit. Fellerers Schüler zeigen sich heute betroffen und beteuern glaubwürdig, von den braunen Flecken auf der biographischen Weste ihres Lehrers nichts gewußt zu haben. In der 50er und 60er Jahren habe allerdings auch niemand so genau gefragt.

KÖLNER STADTANZEIGER

Das Buch von Willem der Vries: »Sonderstab Musik« ist eine Sammlung von unabweisbarem Material. Es verlegt sich nur teilweise auf Personenfahndung, stellt vielmehr mit präzise ausgerichteten Scheinwerfern die Musikpolitik in Deuschland zwischen 1933 und 1945 ins Licht. »Der Fall Boetticher: eine typisch deutsche Wissenschaftskarriere, die im ‘Dritten Reich’ erfolgreich begann und sich nach dem Krieg nahezu bruchlos fortsetzte.« Die anderen Handlanger, Mittäter, Gehilfen, Experten aus der braunen Musikwissenschaft von damals sind inzwischen tot – alles Wissenschaftler, nach dem Krieg unverdächtig zu Amt und Würden gekommene Doktoren, Professoren, Ordinarien, Dekane, Doktorväter, die befürchten konnten, daß die Geschichte sie und ihre Karriere irgendwie einholen würde. Also richtet sich die öffentliche Reaktion auf die De-Vries-Enthüllungen an den Lebenden.

DIE ZEIT

Der Göttinger Musikwissenschaftler Prof. Wolfgang Boetticher hat die Unwahrheit gesagt. Nachforschungen haben ergeben, daß er entgegen seiner bisherigen Darstellung offenbar persönlich bei Nazi-Plünderungen in Paris anwesend war.

GÖTTINGER TAGEBLATT

Spätestens 1996 hätte die Göttinger Georg-August-Universität aufmerksam werden müssen. Denn damals veröffentlichte der holländische Musikwissenschaftler Willem de Vries sein enthüllendes Buch. Jetzt liegt die Studie über Musikpolitik der Nazis und ihre Helfer in deutscher Übersetzung vor, und das Entsetzen ist groß.

RHEINISCHER MERKUR

Jetzt ist die deutsche Musikwissenschaft gefordert zu reagieren. Weggesehen hat sie lange genug.

RADIO BREMEN

Willem de Vries zeigt sehr eindrucksvoll, mit welcher Gründlichkeit, aber auch Eigeninitiative und Spontaneität die Musikforscher aus Deutschland zu Werke gingen, die damit Eichmanns Leuten um nichts nachstanden.

KONKRET

Und es ist ganz besonders zu begrüßen, daß sich nun auch ein deutscher Verlag dieses Buches angenommen hat, wobei es im Blick auf die dort ergänzten Anmerkungen zum Zusammenspiel Boettichers mit Forschungsinstituten und Musikverlagen bei der Behinderung neuer Forschungen zu Schumann-Briefen wohl kein Zufall sein dürfte, daß nicht ein etablierter Musikverlag, sondern ein auf niederländische Literatur spezialisierter Kleinverlag diese Übersetzung riskierte. Denn erst durch diese, mit einem Vorwort von Fred K. Prieberg versehene deutsche Fassung werden sämtliche Zitate und Dokumente in der Originalsprache verfügbar, was nicht ganz unwichtig erscheint, wenn man bedenkt, daß nicht nur die unübersetzbaren Monstrositäten der »Lingua Terti Imperii«, sondern auch Nuancen der Formulierung eine entscheidende Rolle spielen, wenn es de Vries darum geht, die schuldhafte Kollaboration einzelner Musikforscher herauszuarbeiten. (Und nur am Rande erwähnt, daß die deutsche Übersetzung aus der bereits ins Englische übersetzten Fassung des niederländischen Manuskripts nicht nur um einiges flüssiger geraten ist als die Erstpublikation, sondern daß auch Aufmachung und Ausstattung der Übersetzung das »Original« um einiges übertreffen.)

MUSIKTHEORIE

Unter dem Druck der Ereignisse hat der Göttinger Musikwissenschaftler Prof. Wolfgang Boetticher sein jahrzehntelanges Schweigen aufgegeben und Schuld bekannt. Mit dem langen Schweigen hat er sich allerdings einen Bärendienst erwiesen: Die Universität hat jetzt strenge Konsequenzen gezogen.

GÖTTINGER TAGEBLATT

8. Platz auf der Sachbuch-Bestenliste Monat Februar 1999

Im ersten Anlauf gleich ein Standardwerk, das höchsten Ansprüchen genügt.

Fred K. Prieberg

8. Platz auf der Sachbuch-Bestenliste Monat Februar 1999

Im ersten Anlauf gleich ein Standardwerk, das höchsten Ansprüchen genügt.

Fred K. Prieberg