
- Erscheinungsdatum: 06.08.2001
ISBN 392086235X
480 Seiten, gebunden
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Madelon de Keizer Razzia in Putten
Verbrechen der Wehrmacht in einem niederländischen Dorf
Buchbeschreibung
»Unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte.« Heinrich Heine Eine schwierige, aber doch einzigartige Annäherung. Die Versöhnung der niederländischen Gemeinde Putten und des deutschen Ortes Ladelund. Sonntag, 1. Oktober 1944. Im niederländischen Dorf Putten treiben Soldaten der deutschen Wehrmacht, nur wenige Stunden nach einem Attentat niederländischer Widerstandskämpfer auf ein deutsches Militärfahrzeug, Frauen, Kinder und Männer im Dorf zusammen. Am darauffolgenden Tag werden die Häuser des Dorfes niedergebrannt und 660 Männer und Jungen im Alter zwischen 17 und 50 Jahren in das KZ Neuengamme deportiert. In den zahlreichen Außenlagern, darunter Ladelund, werden sie unter erbärmlichen Umständen zur Arbeit an Panzergräben eingesetzt. Nur 49 von ihnen überleben die mörderischen Lager. Das Schicksal des Dorfes der »Witwen und Waisen« wie Putten schon bald genannt werden sollte, hat sich tief in die Erinnerung der Niederländer eingegraben. Für viele sollte die Zeit nach der deutschen Besatzung ein Leben »nach dem Krieg« bleiben, das mehr durch die Vergangenheit als durch die Zukunft bestimmt wurde. Die Prozesse gegen die Hauptverantwortlichen der Razzia, die nur zu geringen Strafen führten, das Bild von der »sauberen Wehrmacht«, die Augenzeugenberichte der Razzia und die persönlichen Erinnerungen der Uberlebenden, die Fragen nach der Kollaboration niederländischer Polizisten und nach der Rolle des Widerstandes. Die schwierige, doch einzigartige Annäherung und Versöhnung der Gemeinden Putten und Ladelund über den »Gräbern von Ladelund« beschreiben einen Erinnerungsprozess. Sie enthüllen das moralische und ethische Dilemma einer Gesellschaft zu Zeiten des Krieges und danach und damit einen Teil niederländisch-deutscher Geschichte.
Pressestimmen
Madelon de Keizer hat ein faktenreiches und bewegendes Buch geschrieben. Sie erörtert jedes Detail, schaut jeder Person ins Gesicht, sie durchleuchtet die Strafprozesse und die öffentliche Meinung, erklärt die parteipolitischen Positionen zu »Putten« und die verschiedenen Stufen der Aneignung des Geschehens durch die Nachgeborenen. Ihr Blick ist von disziplinierter Neutralität, aber dahinter spürt man selbstverständlich die Empathie. Kriegsverbrechen können nicht ohne Leidenschaft und Mitleiden beschrieben und beurteilt werden. Die »puren Fakten« sind nicht mehr zu haben. Möglich ist hingegen die geduldige und redliche Rekonstruktion und Analyse der von den Zeiten modellierten und glattgeschliffenen Erinnerung. In diesem Buch ist es geschehen.
Süddeutsche Zeitung
Am 1. Oktober 1944 trieben Soldaten der Wehrmacht, nach einem Attentat niederländischer Widerstandskämpfer auf ein deutsches Militärfahrzeug, Hunderte Männer, Frauen und Kinder im Dorf Putten zusammen. Tags darauf wurden die meisten Häuser in Brand gesteckt und die Bewohner ins Konzentrationslager Neuengamme deportiert. Nur 49 von ihnen haben das Lager überlebt. Die Geschichte dieses Verbrechens hat die niederländische Historikerin Madelon de Keizer nun anhand von Prozessakten der Nachkriegszeit, von Augenzeugenberichten und persönlichen Erinnerungen der Überlebenden rekonstruiert.
Volker Ullrich: Die Zeit
Die niederländische Historikerin Madelon de Keizer, Mitarbeiterin am Institut für Kriegsdokumentation in Amsterdam, schildert in ihrem jetzt auch in deutscher Sprache erschienenen Buch in sachlichem Ton und auf der Grundlage einer ungewöhnlich breiten Quellenbasis nicht nur die Vorgeschichte und Verlauf der Razzia in Putten und deren Folgen für Opfer und Täter, sondern auch die Bemühungen um Annäherung und Versöhnung der Gemeinden Putten und Ladelund nach dem Kriege.
Der Autorin ist es gelungen, ein schwieriges Kapitel deutschniederländischer Geschichte in einer Weise aufzuarbeiten, dass das grauenhafte Geschehen, aber auch die ersten Schritte der Annäherung nach dem Kriege lebendig werden. Die faktenreich, detailgetreue Studie stützt sich auf eine Große Zahl von Prozessakten, Behördendokumenten, von Tagebüchern, Presseveröffentlichungen, Augenzeugenberichten sowie persönlichen Erinnerungen von Überlebenden.
HUSUMER NACHRICHTEN

