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Christoph D. Brumme: No - Hörbuch
Erscheinungsdatum: 05.09.2008

ISBN 978-3-937717-30-2
5 CDs, 4 Seiten Booklet

Preis: 22,80 €

Christoph D. Brumme No - Hörbuch

Corinna Harfouch liest Christoph D. Brumme: No

Buchbeschreibung

Das Hörbuch zu dem viel beachteten Romandebüt von Christoph D. Brumme, in dem ein namenloser Erzähler seine DDR-Kindheit in »Elend«, einem Dorf im Harz nahe der deutsch-deutschen Grenze, schildert.

Mit nüchternder Stimme liest die Schauspielerin Corinna Harfouch diese düstere Geschichte über die schwierige Sprachfindung eines namenlosen Sohnes, dessen Vater seine Kinder systematisch missbraucht. Kühl liest sie diese minimalistische Prosa und doch auch auf rätselhafte Weise zärtlich.

Regie führte Christoph D. Brumme. Harfouch und Brumme stammen beide aus der DDR und haben ihre Kindheit in Sachsen-Anhalt und Thüringen verbracht.

Der Roman erschien ursprünglich unter dem Titel “Nichts als das” und wurde im Herbst 2008 im Dittrich Verlag unter dem Titel “No” wiederaufgelegt.

Pressestimmen

Mit der lakonischen Kraft des Mythos beginnt der Roman. Dabei lernt hier nur ein Kind lesen. Allerdings in einem Akt perfider Dressur. Das Buch behält diese Kraft, ja vergrößert sie noch, je mehr man die zerstörerische Gewalt einer extremen, aber eben doch konsequent bürgerlichen Erziehung so direkt erfährt, als ginge es um das eigene Leben. Ein Vater tritt hier auf, dessen Ähnlichkeit mit dem antiken Urgott Kronos – bei allem detailgenauen Realismus der Handlung in der DDR der 60er und 70er Jahre – ins Auge sticht.

www.readme.cc

Das Elend in Elend
»No« ist ein kleines, aber feines (Hör-)Buch, das in der akustischen Version mit einer großartigen Sprecherin besetzt wurde. Corinna Harfouch weiß sich einfühlend in die Seele des Protagonisten hineinzufühlen und dessen innere Beobachtungen mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl wiederzugeben. Gerade wegen ihrer scheinbar unsentimentalen Vortragsweise, die ohne jedwedes Pathos auskommt, zeichnet sie Nos Leben von überaus großer Intensität.

Heike Geilen, literature.de

Die Geschichte eines Verlierers
Man muss ihm das Alphabet einprügeln. Die seltsamen »Erziehungsmethoden« bis hin zu Prügeln und – was noch schlimmer ist – seelischer Folter seines Vaters regen ihn kaum zum Aufstand, sondern zur Flucht in die Fantasie.

»No« , von Corinna Harfouch mit der professionellen Distanz eines sich selbst vom Protagonisten distanzierenden Autors

erzählt, ist das, wasman einen Antihelden nennt. Das Hörbuch, bei dem der für seinen Roman ausgezeichnete

Schriftsteller Christoph D. Brumme selbst Regie führte, ist nichts für Sensationsgierige. In gemäßigtem Erzähltempo erfährt

man vieles über den Alltag der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik; ihre Menschen und ihre Kritiker. Helden gibt es in dem Hörbuch nicht: Es wird berichtet; fast emotionslos reportiert Harfouch eine schwere Kost. Und gerade deshalb ist das Hörbuch zu empfehlen – als fiktive Biografie eines jungen Menschen aus der ehemaligen DDR.

Walter Dennstedt, Mittelbayerische Zeitung

Deutsche Zustände Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre

(…) lakonisch und seltsam naiv kommt dieser Text daher – denkt man beim ersten Hören. Doch der Tonfall gibt nur etwas vor, das genaue Gegenteil ist der Fall: Durchtrieben hintergründig werden hier deutsche Zustände Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre entlarvt. Irgendwo in einem Grenzdorf, heißt es, auch die DDR ist irgendwann erwähnt und am Ende erfahren wir sogar den Namen des Kaffs. Aber der ist ganz und gar unwichtig.
Brumme, 1962 in Wernigerode im Harz geboren, schuf mit seinem Debüt ein eindringliches Zeitgemälde, eine tiefenpsychologische Studie deutscher Verhältnisse, einen Vater-Sohn-Konflikt. Sehr klar, sehr dicht und beinahe kindlich in der Schreibweise. Deutsche Tugenden werden vorgeführt, eine Erziehung zum Gotterbarmen. Der Vater ist ein kleinbürgerlicher Tyrann, ein – zumeist stummer – Despot, ein ungehobelter, schamloser Kerl ohne jeden Selbstzweifel.

Ein Blick in die Abgründe in uns
Harfouch liest den Text so kühl, wie er verfasst ist. Da kann man nichts machen, hört man, das war schon immer so, vernimmt man, daran wird sich auch künftig nichts ändern, soll man glauben. So wurden neue Untertanen herangezüchtet, da wie dort, im Osten wie im Westen, in den 60er-Jahren. So weit liegt das noch nicht zurück. Und wer wissen will, wie dieses Land beschaffen ist und welche Gefahren unter der wohlanständigen Oberfläche auch heute noch in der Provinz lauern, der sollte diese Lektüre auf sich nehmen. Es ist ein Blick in die Abgründe in uns.

Stefan Berkholz, NDR Kultur

No way out
»No« bietet auf sehr unprätentiöse Weise einen Einblick in die Stimmung, die in einer Diktatur herrscht – nicht nur in einer staatlichen, sondern auch in der innerfamiliären Diktatur. Die Mutter, die No manchmal anlächelt und weiß, was er durchmacht, fühlt sich nicht in der Lage ihm mit Taten beizustehen. Sie ist das Klischee des schwachen Mitläufers. Diese Kleinfamilie lebt in einem durch und durch kleinbürgerlichen Milieu, so eingeengt, dass einem schon beim Zuhören die Luft wegbleibt vor lauter Muff. Brumme gelingt es in seinem Roman, die DDR durch kleine Gesten zum Leben zu erwecken. Die Grenzlage des Dorfes wird niemals explizit erwähnt, sie scheint lediglich auf in Geschichten um Grenzverletzer oder im Gebell der Wachhunde, das No manchmal hören kann.
Heilung durch Literatur?
Hilfe findet No, der sich mit dem Lesenlernen so schwer tut, dann aber doch in der Literatur. Mit ihr kommt auch das Wissen – was aber nicht immer alles besser macht. »Er wusste inzwischen, dass der Name Elend nicht von dem Elend kam, obwohl man das glauben konnte, weil das Nachbardorf Sorge hieß. Elend hieß früher ‘eli-lenti’. Das war Altes Deutsch und hieß ‘in der Fremde, im Ausland’. Die Mönche, die von der anderen Seite des Gebirges aus nach Rom gepilgert waren und hier zum ersten Mal nächtigten, hatten diesen Ort so genannt. Ein Dorf, das Elend hieß, aber eigentlich im Ausland, so dass jeder, der hier wohnte im Elend und im Ausland lebte. Ein Elender war ein Fremdling und ein Fremdling war ein Elender.«
Corinna Harfouch liest diese beeindruckende Geschichte mit viel Sprachwitz und ohne jegliches falsches Pathos. Manchmal blitzt sogar ein böser Witz auf – das sind die besonders guten Stellen.

Tina Manske, www.titel-magazin.de