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Edgar Hilsenrath: Jossel Wassermanns Heimkehr
Erscheinungsdatum: 01.03.2004

ISBN 978-3-920862-57-6
300 Seiten, gebunden

Nicht lieferbar

Edgar Hilsenrath
Jossel Wassermanns Heimkehr

Gesammelte Werke, Band 7 Herausgegeben von Helmut Braun

Buchbeschreibung

Jossel Wassermann macht sein Testament. Es ist Spätsommer 1939, und während ganz Europa auf den Krieg wartet, erzählt der reiche Matzebrotfabrikant in seiner Villa am Zürichsee einem Anwalt und einem Notar von der Welt, aus der er herkommt: dem kleinen jüdischen Schtetl am Pruth, unweit von Czernowitz, am östlichsten Rand der alten Donaumonarchie. Es ist eine Welt, die nur aus Geschichten zu bestehen scheint, Geschichten, die kein Ende nehmen wollen, und deren grausames Ende doch schon beschlossen ist. Mit seinem urwüchsigen Fabuliertalent breitet Edgar Hilsenrath einen farbigen Bilderbogen vor dem Leser aus. Geschichten vom Wasserträger Jankl und seiner heimlichen Liebe zu Rifke, der Tochter des Schusters Katz, von der alten Vogelscheuche und dem Kruzifix an der Landstraße nach Sniatyn, und natürlich die berühmte Geschichte vom jüdischen Salzhering und dem österreichischen Kaiser – ein buntes Treiben vor einem düsteren Hintergrund. Denn das Geld Jossel Wassermanns und auch sein Leichnam werden Pohodna nie erreichen, wie er es in seinem Testament verfügt. Uber all den idyllischen, glücklichen Erinnerungen liegt der Schatten dessen, was kommen wird – die unvorstellbar grausame Ausrottung der europäischen Juden, die das in diesen Geschichten blühende Leben auslöschen wird – endgültig und unwiderruflich. Edgar Hilsenraths großer Roman ist das Totenlied auf die reiche Kultur des osteuropäischen Judentums.

Pressestimmen

Lesung im Literaturladen Wist in Potsdam
Es war eine Hommage an Edgar Hilsenrath, ein Gesamtkunstwerk, das in der Brandenburger Straße vonstatten ging. An den Wänden hängen Illustrationen des Chemnitzer Christian Lang, der für jeden Band der Werkausgabe ein Bild anfertigt. Zur Überraschung und Ehrung des Autors boten die Bläser um Christian Friedl eigens für Hilsenrath komponierte Musikstücke.

MAERKISCH ALLGEMEINE

HOMMAGE AN EINEN SCHRIFTSTELLER IM POTSDAMER LITERATURLADEN CARSTEN WIST
Edgar Hilsenrath ist heute wieder dort angekommen, wo seine Schriftstellerkarriere begann: bei einem kleinen Verlag. Und wer den Verleger Volker Dittrich, der am Freitag ein Kapitel aus dem Roman “Jossel Wassermanns Heimkehr” las, seine Bemühungen, sein Engagement kum das Werk des Autors erlebte, der musste zu dem Schluss kommen, dass dem Schriftsteller nichts Besseres hätte passieren können. Bis 2008 soll Hilsenraths Gesamtwerk, das von Helmut Braun herausgegeben wird, in elf Bänden im Dittrich Verlag erscheinen. Jeder Band wird mit einem Bild von Christian Lang illustriert, die dieser extra für diese Ausgabe malte.
Hilsenrath ist ein großer Erzähler wie das ausgewählte Kapitel aus “Jossel Wassermanns Heimkehr” bewies. Hier lässt Hilsenrath durch den Fabrikanten Wassermann, der im Spätsommer 1939 kurz vor seinem Tod vom kleinen jüdischen Schtetl Pohodna erzählt, eine Welt auferstehen, die wenig später dem Naziwahn zum Opfer fiel. Auschweifend und farbenfroh, lebendig und voll jiddischem Witz zieht Hilsenrath durch dieses quirlige Pohodna.

POTSDAMER ZEITUNG

Es sind Geschichten voller Trauer und hintergründigem Witz – vom Wasserträger Jankl und seiner Liebe zu Rifke, …, von der schwachsinnigen Resele, vom Friseur, von Heiratsvermittlern und Thoraschreibern und vielen anderen Schtetlbewohnern unterschiedlichsten Charakters. Über allem aber liegt schon der Schatten kommender Ereignisse, und die Geschichte nimmt ihren grausamen Verlauf. Jossel wird seine Heimat nicht mehr erreichen. Und doch bleibt auch ein Gran Hoffnung, es bleiben Heiterkeit und Leben. Es bleiben die Geschichten. Edgar Hilsenrath hat sie auf unnachahmliche Weise erzählt.

KÖLNISCHE RUNDSCHAU

BEWEGENDER ABEND: OTTO SANDER LIEST EDGAR HILSENRATH
Wer gekommen war, wird den Abend in Erinnerung behalten. Einmal wegen des Romans “Jossel Wassermanns Heimkehr” von Edgar Hilsenrath. Mit stillem Humor und leiser Melancholie erzählt der Autor Geschichten aus einem kleinen Schtetl, unweit von Czernowitz, am östlichsten Rand der alten Donaumonarchie.
Edgar Hilsenrath wurde im Schauspielhaus überaus herzlich begrüßt, signierte anschließend seinen Roman. … Der kleine Dittrich Verlag verlegt engagiert Hilsenraths gesammelte Werke.
Wer ins Schauspielhaus gekommen war, wird auch die Lesung von Otto Sander nicht so schnell vergessen. … Seine Stimme ist sonor gefärbt, immer leicht heiser, geschmeidig rau und funkelt gern ironisch.
Sander kostete den Text aus, dringt in die Figuren ein, macht im Komischen das Tragische, im Tragischen das Komische sichtbar. Er schlüpft im doppelten Sinne in die Rolle des Erzählers, wird zum Mittler kzwischen Publikum und Autor. Hilsenrath klatscht ihm gerührt Beifall. Sander verbeugt sich tief vor dem Mann und seinem Werk. Ein bewegender Abend im Schauspielhaus.

SÄCHSISCHE ZEITUNG

Die leise Trauer ist es, die Edgar Hilsenraths Roman “Jossel Wassermanns Heimkehr” zu einem berührenden Dokument macht. Die Trauer um eine verlorene Heimat, um verlorenes Leben, um eine Welt, die nicht perfekt und nicht sorgenfrei war, aber die die Menschen miteinander auskommen ließ, webt an Hilsenraths Buch von der ersten bis zur letzten Zeile mit. Mit überbordender, doch nie sich im Uferlosen verlierender Fabulierkunst lässt Hilsenrath eine Welt auferstehen, die vor Leben strotzt.

FREIE PRESSE

Hilsenraths Roman erinnert an die Unmöglichkeit, das zu fassen, was die Deutschen in Osteuropa für immer vernichteten. …
Dieser märchenhafte, fast begütigende Ton, mit dem Hilsenrath seine verschiedenen Erzählstimmen über das Schreckliche sprechen lässt, konterkariert ein Grauen, das sich selbst dem nachträglichen Begreifen Überlebender entzieht. “Die Stimmen der Geschichtsschreibung aber gähnten vor Langeweile und rieben sich den Schlaf aus den Augen”, schreibt Hilsenrath. So ist es wohl, wenn eine ganze Kultur vernichtet wird, während im Rest der Welt der Alltag einfach weitergeht.
Wassermanns Erinnerungen ziehen den Leser in einen eigentümlichen Erzählrythmus hinein, ohne dass Hilsenraths Roman damit in die dumpfen Sphären eines trivialen Historienromans hinabsänke. Hier lässt sich viel über das Ostjudentum, seine Bräuche und Feste lernen. …
Hilsenraths Roman gelingt die schwierige Gratwanderung zwischen der Schilderung einer verflossenen glücklichen Zeit voll Hoffnungen und der Einbeziehung des Wissens um ihre definitive Zerstörung. Das Paradox des Textes ist es, dass Wassermann seine Geschichte vergeblich erzählt. Denn der Thoraschreiber von Pohodna wird sie nicht mehr aufschreiben können. Er wird zusammen mit sechs Millionen Juden umgebracht. Wir allerdings können sie trotzdem lesen. Weil Edgar Hilsenrath sie aufgeschrieben hat.

TAZ Die Tageszeitung

«… Aus falscher Pietät mit den Opfern mochte auch Imre Kertész´ “Roman eines Schicksallosen” lange Zeit niemand veröffentlichen. Genauso war es Hilsenrath mit seinem Debüt “Nacht” (1964) ergangen. Beide Bücher hatten versucht das so genannte Undarstellbare darzustellen, in einer Art und Weise, die den geltenden Normen der Holocaust-Literatur widersprach. … Das Leben in den Schtetln war kärglich und arm, doch Hilsenrath beschreibt das einfache Glück, die Gemeinschaft, das Gottvertrauen, aber auch die für den Autor typische Feier der individuellen Existenz und die durch keine Religion zu unterdrückende Triebhaftigkeit der Menschen. … Hilsenrath fabuliert wie nie zuvor, in jiddisch-chassidischer Erzähltradition, von Aufstieg und Fall des Schtels, von ostjüdischen Gebräuchen und Geboten. …. Die mystische Reflexion über die Deportation und das Sterben, über Juden- und Christentum, über den schweigenden Gott und das Erzählen des Unerzählbaren gehört zum Besten, was der Autor geschrieben hat.»

Mathias Schnitzler, Berliner Zeitung

Jetzt ist das vielleicht schönste Hilsenrath-Buch wieder da, »Jossel Wassermanns Heimkehr«.

Der Tagesspiegel

Dem Dittrich Verlag ist zu danken, dass Edgar Hilsenraths Gesamtwerk neu zugänglich wird. Nach »Fuck America« ? Bronskys Geständnis” ist in diesem Jahr »Jossel Wassermanns Heimkehr« in der auf elf Bände angelegten Werkausgabe erschienen. In diesem wunderbaren Schtetl-Roman, der so ganz ohne Nostalgie und modische Folkloristik ist, hat das Erinnern besonders viele Stimmen.
Zwischen Hilsenraths erstem Roman »Nacht«, »Fuck America« und »Jossel Wassermanns Heimkehr liegen Welten und hinter ihnen die Jahrtausende alte Geschichte der Judenheit.

Sabine Neubert in NEUES DEUTSCHLAND

«Hilsenraths unkonventionelle Erzählweise wurde anhand von Kostproben deutlich, die der Autor und sein mit schauspielergleichem Geschick vortragender Verleger Volker Dittrich lasen. Pittoresk muten im Roman »Jossel Wassermanns Heimkehr« von 1993 die deftigen Szenen aus dem ostjüdischen Stetl des 19. Jahrhunderts an.

Stefan Michalzik, FRANKFURTER RUNDSCHAU

»Ein schönes, kluges, berührendes Buch über eine gestorbene Welt Manche Menschen werden weinen, wenn sie das Buch lesen. Und das ist gut so, denn unsere Zeit braucht Tränen, um nicht zu vergessen.«

Andrzej Szczypiorski, DER SPIEGEL

»Edgar Hilsenrath gehört zu den wenigen bedeutenden deutschsprachigen Autoren der Gegenwart.«

Karl-Heinz Götze, Frankfurter Rundschau

»Hilsenrath ist ein Erzähler, wie ich seit Thomas Mann und seit Günter Grass der Blechtrommel keinen mehr kennengelernt habe.«

Arnfrid Astel, Südwestfunk