
- Erscheinungsdatum: 05.01.2008
ISBN 978-3-937717-97-5
496 Seiten, gebunden
Preis: 24,80 €
Claus Helmut Drese Erlesene Jahre
Begegnungen - Erfahrungen - Inszenierungen
Buchbeschreibung
Claus Helmut Drese lässt uns in sein literarisches Museum blicken. Er erzählt von vielen Begegnungen mit Autoren und Komponisten, Dirigenten und Regisseuren, mit denen er über lange Jahre Kontakt pflegte. Aus der Fülle der Autoren sollen hier die Philosophen Theodor W. Adorno, Hans- Georg Gadamer, Karl Popper genannt werden. Als Dramatiker ragen heraus: Bertolt Brecht, Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch. Unter den Komponisten waren für ihn besonders wichtig: Paul Hindemith, Ernst Krenek, Leonard Bernstein. Im Welttheater spielen Dirigenten wie Herbert von Karajan, Nikolaus Harnoncourt und Claudio Abbado eine wichtige Rolle, daneben Regisseure wie Erwin Piscator, Jean-Pierre Ponnelle, Götz Friedrich. Beliebte Sängerinnen und Sänger wie Lucia Popp, Margaret Price, Hildegard Behrens und José Carreras, Plácido Domingo, Luciano Pavarotti dürfen nicht vergessen werden. Besonders beeindruckend an Dreses »Erlesenen Jahren« sind die Schilderungen seiner privaten Begegnungen mit Personen der Zeitgeschichte und persönliche Erlebnisse wie bei seinen Besuchen in Griechenland, die Schilderungen der Studienzeit, sein erstes Theatererlebnis und der Bombenterror des Zweiten Weltkrieges. Wie ein roter Faden ziehen sich auch Gedanken zum Holocaust durch dieses Buch. Drese schreibt mitreißend, eindringlich und philosophisch untermauert und setzt das Gelesene immer wieder in Bezug zur Gegenwart, um für eine humanere Welt und für mehr Toleranz unter den Menschen zu plädieren. Claus Helmut Dreses Buch ist sein Dank für ein fruchtbares, künstlerisch und geistig erfülltes Leben. Und den Leser regt es zum Reflektieren an. Eigene Leseerfahrungen werden erinnert und in Bezug gesetzt zu den zeitgeschichtlichen Uberlegungen des überzeugten Theatermannes Claus Helmut Drese.
Pressestimmen
Seinen eben erfolgten 85er kann Claus Helmut Drese mit einem Buch feiern, das ihm Ehre macht. Er nennt es »Erlesene Jahre« in der vollen Doppelbedeutung des Wortes, denn die »Aufhänger« der einzelnen Artikel, die er von seinem 85. bis zu seinem 10. Lebensjahr im Rückwärtsgang aneinanderfügt, sind in den meisten Fällen Bücher (gelegentlich auch Theaterstücke und Opern). Grundsätzlich werden die Überlegungen dazu für ihn auch Anlass zu Retrospektiven auf das eigene Leben, und dieses verdient schon das Attribut »erlesen«, denn in diesen Jahrzehnten ist Drese wohl allen begegnet, die in der Welt der Kultur von irgendeiner Relevanz waren… Selbstverständlich ist das kein Buch, das man – wie Memoiren etwa – zur Hand nimmt und von Anfang bis zum Ende flott durchliest. Zwar sind die besprochenen Werke nach Jahren geordnet, aber auch da nicht unbedingt in jenen, wo sie erschienen sind, sondern als Drese sich damit auseinandersetzte und Persönliches, Erlebtes dazu zu sagen hat. Aber es geht um die grundlegenden, gültig gebliebenen Überlegungen zu Philosophie, Zeitgeschichte, Theater, Inszenierungen, Kunst und Kultur, die sich daran knüpfen. Man kann faktisch überall zu lesen beginnen und wird dem Autor interessiert folgen, zu Mozart und Thomas Mann, zu Abbado und Venedig, zu Bernstein und Popper, nach Jerusalem und zu Che Guevara, zu Al Gore und Ernst Bloch, die Vielfalt ist stupend. Dabei ist Drese kein Theoretiker, der sich mit dem Hochmut des Intellektuellen hinter irgendeiner hochgeschraubten Fachsprache verstecken wird – das sind einfach die klug gedachten, gut formulierten Erkenntnisse eines immer wachen Kopfes, immer wieder ins Persönliche führend, die Begegnung mit vielen Zeitgenossen schildernd. … Für Opern- und Theaterfreunde ist das ein Buch, das aufs »Nachtkastl« gehört – und dort sicher lange bleiben wird, da es Lese- und Nachdenk-Stoff für viele, viele Abende bietet.
Renate Wagner DER NEUE MERKER
Obwohl er eben seinen 85. Geburtstag gefeiert hat, bleibt Claus Helmut Drese … akiv. In seinem jüngsten Buch erzählt er über seine Begegnungen mit großen Autoren, Komponisten, Dirigenten und Regisseuren und erweist sich einmal mehr als feinsinniger, hoch gebildeter, brillant schreibender Autor, der Antworten auf grundsätzliche Fragen sucht.
KLEINE ZEITUNG
Claus Helmut Drese hat seine Theaterlaufbahn als Dramaturg begonnen. Diese Herkunft war bestimmend für sein langes, erfolgreiches Wirken als Intendant in Heidelberg, Wiesbaden, Köln, Zürich und Wien und zuletzt als künstlerischer Berater und Regisseur an der Athener Oper. Doch nicht nur bei seiner Spielplangestaltung und beim Engagement von Künstlern – epochal war die Verpflichtung von Nikolaus Harnoncourt und Jean-Pierre Ponnelle für den Monteverdi- und den Mozart-Zyklus in Zürich – hat sich Drese an dramaturgischen, inhaltlichen Gesichtspunkten orientiert, als glänzender Stilist und Kommunikator hat er seine künstlerischen Unternehmungen stets auch verbal reflektiert. Davon zeugt eine stattliche Reihe von Buchpublikationen. Deren jüngste hat sich Drese kürzlich gewissermassen selber zu seinem 85. Geburtstag geschenkt. Es handelt sich um einen Lebensrückblick anhand von Büchern – je zwei pro Jahr – und von Begegnungen mit Künstlern und anderen Persönlichkeiten. Lese- und Lebenserinnerungen gehen dabei Hand in Hand, das eine spiegelt sich im andern. Und es zeugt von Dreses unverminderter Anteilnahme am künstlerischen und politischen Zeitgeschehen, dass er den Rückblick in der Gegenwart beginnt (mit Al Gores »Angriff auf die Vernunft« von 2007) und von da aus in Jahresschritten zurückgeht bis zu Defoes »Robinson Crusoe«, den er 1932, als Zehnjähriger, verschlungen hat. Entstanden ist so einerseits ein »literarisches Museum« der letzten 75 Jahre, anderseits das Mosaik eines «europäischen Theaterlebens«, das Drese hier zwar nicht neu, aber unter neuen Aspekten erzählt. Durch die Bücher, die ihn geprägt haben, lernt man auch ihn näher kennen. Im doppelten Wortsinn versammelt der Band »Erlesenes«, und die Schweizer Jahre Dreses nehmen dabei einen prominenten Platz ein.
Marianne Zelger-Vogt, NEUE ZÜRCHER ZEITUNG
Nun ist Dreses viertes Buch erschienen, ein Buch mit fast 500 sehr fordernden Seiten. Drese hat vier Jahre lang hart daran gearbeitet. … »Erlesene Jahre« behandelt sechs verschiedene Fächer: Zeitgeschichte, Literatur, Musik, Oper, Philosophie, Religion. Das sind grosse Kanäle. Der stärkste Strang ist wider Erwarten nicht die Oper, sondern sind die Literatur und die Zeitgeschichte. Claus Helmut Drese verweist darauf, dass er von der Literatur her komme, Literatur studiert, in Germanistik promoviert habe. Und am Anfang seiner Karriere hat er sich viel mit dem Schauspiel beschäftigt: als Dramaturg wie als Regisseur grosser Dramen. Das Buch ist ein Blick in Dreses Bibliothek und naturgemäss ein Blick aufs 20. Jahrhundert. Grosse Denker, grosse Musiker und grosse Schriftsteller werden thematisiert, viele hat Drese selbst getroffen. Das Buch regt zum Weiterdenken an, fordert zum Nachschlagen in anderen Büchern auf, ja wird wohl dazu führen, dass einige Bibliotheken grösser werden.
Christian Berzins, AARGAUER ZEITUNG
Dieser Tage erschien Dreses Dickleiber »Erlesene Jahre 2007-1932«, der mit einer rückwärts verlaufenden Chronologie Einblicke in Dreses »literarisches Museum« der letzten 75 Jahre gestattet. Er entwirft in diesem fast 500 Seiten umfassenden Werk ein buntes Mosaik seines europäischen Theaterlebens, der Tagebücher, Aufsätze, Korrespondenzen und vor allem seiner Bibliothek und stellt so sein Leben auf den Prüfstand. Mit der Nachdenklichkeit des Alters setzt sich Claus Helmut Drese mit fundamentalen historischen und zeitgeschichtlichen Fragen auseinander.
Heide Seele, RHEIN-NECKAR ZEITUNG
Man erwartet Altherrenprosa und Anekdotisches, wenn ein Opernimpresario, geboren 1922, zur Feder greift und seine Autobiografie schreibt – entlang von Büchern, Menschen und Kunstwerken, die sein Denken prägten. Anders ist es
bei Claus Helmut Drese, der zu den klugen Autobiografen des 20. Jahrhunderts gehört und als Opernreformer gelten
darf. Als Bilderstürmer hat sich der liberale Weltbürger nie verstanden, davon legt auch sein Wirken als Direktor am
Opernhaus Zürich von 1975 bis 1986 beredtes Zeugnis ab. Statt den Operntraditionalismus des 19. Jahrhunderts zu
perpetuieren, galt es, den »Mut der siebziger Jahre« zu nutzen. »Der 20. Dezember 1975 war einer der künstlerisch
wichtigsten Tage in meinem Leben«, beginnt der Chronist seinen Essay über Claudio Monteverdis »Orfeo« und den
legendären Auftakt des Monteverdi-Zyklus am Opern haus Zürich. Am Pult stand der Pionier der Alten Musik, Nikolaus
Harnoncourt, Regie führte der an barocker Spiellust orientierte Jean-Pierre Ponnelle. Or pheus war zurückgekehrt und mit ihm sein wundersames Instrumentarium von Harfen, Lauten, Flöten, Zinken, Gamben und Posaunen.
Drese weiss um die Tücken des Erinnerns, denen jede Ge schichtsschreibung, und insbesondere die eigene, unterworfen ist. Seine Buch bezeichnet er denn auch als Versuch, sein »Leben zu objektivieren«, nach den Spuren seiner »geistigen Entwicklung zu suchen«. Der rote Faden dieser Spurensuche sind Bücher: Klassiker wie Thomas Mann und Adorno stehen in seiner Bibliothek neben Ernst Jünger und der vielleicht grössten Intellektuellen des vergangenen Jahrhunderts, Hanna Arendt. So hat Drese etwa »Joseph und seine Brüder« (1933–1943), aber auch
«Eichmann in Jerusalem« (1964) wiedergelesen und seine Lektüreerfahrung jeweils in kurze Kapitel zusammengefasst. Entstanden ist ein flüssig geschriebenes Lesebuch, das ausgehend von Al Gores »Angriff auf die Vernunft« (2007) chronologisch zurückgeht bis zu Alfred Polgars »Gestern und heute« aus Dreses Geburtsjahr (1922) – ein Kunstgriff der Ordnung, der nicht nur originell ist, sondern auch dem Unter fangen angemessen. …
Als Leser hat Drese mehr Fragen als Antworten und hütet sich vor Besserwisserei. Emotional wird er dann, wenn
es um das sogenannte Regietheater geht. Seine Lektüre von Jan Assmanns »Oper und Mysterium« (2006) führt ihn zuerst zu Jean-Pierre Ponnelle ins Jahr 1978 zurück und dann in die Gegenwart zu Martin Kusej. Zur Diskussion steht
Mozarts »Zauberflöte« und die allfällige Ironisierung der »freimaurerischen Tugenden« durch dieses Werk. Er selbst
habe als Regisseur »innerlich resigniert« vor Mozarts Rätsel. Dass sich auch Nikolaus Harnoncourt der Entmythologisierung der »Zauberflöte« an schliesst, kann er »bei allem Respekt vor der Deutungsphantasie« nicht verstehen. Das Gesamtkunstwerk Oper dürfe man niemals »um der Novität willen kastrieren«.
Als Impresario so traditionsreicher Häuser wie der Wiener Staatsoper ist Drese Germanist und Feingeist geblieben
und hat trotz der Plackerei des Theaterbetriebs nie aufgehört zu lesen. …
Drese steht für die aussterbende Gattung jenes liberalen Geistes, der klare und damit anfechtbare Positionen vertritt. Er fühlt sich dem streitbaren Philosophen Karl R. Popper nahe, dem er einen seiner Grundsätze verdankt: »Das Volk, die Majorität, hat, wie wir alle, sehr oft Unrecht«.
Corinne Holtz, NZZ am Sonntag
»*Der Schauspieler ist der Spiegel und die Seele der Zeit* «*, heißt es treffend in Shakespeares Hamlet . Dass diese Funktion auch ein ehemaliger Intendant raumgreifend ausfüllen kann, erweist sich in Claus Helmut Dreses mittlerweile fünftem Essay- bzw. Erinnerungsbuch.*
Jeder wird dort seinen ganz persönlichen Favoriten unter den bewusst subjektiv präsentierten Literaten, Sängern und Theaterleuten finden. Die Struktur des Bandes ist avanciert, überzeugt jedoch völlig: Im Vorwort erläutert Drese die drei »Leitmotive« seines Lebens – die offene Wunde des Judenmords in Deutschland, Wiedergutmachung für die »Entartete Kunst« der Nazizeit und die Überwindung von jeglichem Nationalismus zugunsten eines europäischen Humanismus – und folgt dann den ihn prägenden literarischen und theatralen Eindrücken quasi rückwärts von der Gegenwart bis in seine Jugend.
Dabei werden immer wieder Abhandlungen über verschiedene Künstler oder Personen der Zeitgeschichte eingestreut, denen er begegnet ist bzw. mit denen er teilweise selbst zusammengearbeitet hat, die er jedenfalls zutiefst verehrt. An dieser Stelle soll lediglich das knappe Kapitel über den Freund und künstlerischen Partner Jean-Pierre Ponnelle erwähnt werden, das präziser, liebevoller und zugleich erhellender nicht sein könnte.
Dieses Buch ist mehr als ein bloßer Abriss aus Dreses privatem Erfahrungsschatz. Es ist ein Geländer, an dessen Erfahrungen sich jeder festhalten kann.
Richard Eckstein, CRESCENDO das Klassikmagazin
(…) man kann diesen Erfahrungen eines Theatermanns unschwer den Wert eines zeitgeschichtlichen Kompendiums zumessen.
Richard Hörnicke, Wiesbadener Tageblatt

