
- Erscheinungsdatum: 01.03.2000
ISBN 3920862287
352 Seiten, gebunden
Preis: 20,00 €
Theun de Vries Die Kardinalsmotette
Roman
Buchbeschreibung
Wolf, ein junger Niederländer, der als Leibeigener aufwuchs, dann als Söldner durch die Lande zog, wird in Mailand durch eine Motette des Josquin des Prés ganz in den Bann der Musik gezogen. Als Chorsänger, Schüler und Freund des Meisters Josquin erlebt er das Aufkommen der »neuen Musik« im Italien der Renaissancezeit, die den historischen Hintergrund dieses Künstlerromans von Theun de Vries bildet. Gemeinsam fliehen Josquin und Wolf vor der Pest in Mailand nach Parma, ziehen weiter über Florenz bis nach Rom an die sixtinische Kapelle, wo beide als Sänger in den päpstlichen Chor aufgenommen werden.
Die Ewige Stadt offenbart ihnen ihre Widersprüche: Ausschweifungen und Verderbnis beherrschen das Leben im Vatikan, Machtkämpfe zwischen den Fürstenhäusern erschüttern das Land und Künstler wie Leonardo da Vinci, Pinturicchio und Michelangelo, denen sie begegnen, schaffen ihre unvergänglichen Meisterwerke.
Wolf fühlt sich in Rom nicht glücklich. Nach erlebnisreichen, aber dennoch unbefriedigenden Jahren erkennt er, dass es auch für ihn nur eine »Herberge« war, in der er lange Zeit gelebt hat. Erst die Begegnung mit einem niederländischen Mädchen, das als Pilgerin nach Rom gekommen ist, weckt wieder Musik in ihm. Und er weiß, dass er das ihm wesensfremde Rom verlassen und in sein Land zurückkehren muss. Der heimatliche Boden der Niederlande wird ihm die Kraft geben, die neue Musik, die er in Italien aufgenommen hat, fruchtbar zu verarbeiten.
Pressestimmen
Mit Josquin bei den Borgias Wenn Ihnen hier CANTATE erstmals eine belletristische Neuerscheinung vorstellt, dann muß es dafür gleich mehrere gute Gründe geben. Der erste und wichtigste: Hier steht die Musik, genauer die Chormusik, im Zentrum des Geschehens, das sich vor der farbigen Kulisse der italienischen Renaissance um 1500 abspielt: Ein junger Niederländer namens Wolf, dessen Leben nach dem Hörerlebnis der »Kardinalsmotette« von Josquin Desprez eine entscheidende Wendung erfährt, wird zum Schüler und Freund des großen Renaissancemeisters. Von ihrer ersten gemeinsamen Station Mailand aus fliehen die beiden vor der Pest nach Parma, ziehen später weiter über Florenz bis nach Rom an die Sixtinische Kapelle, wo Josquin und Wolf als Sänger in den päpstlichen Chor aufgenommen werden. Dem gebürtigen Friesen Theun de Vries gelingt mit seinem bereits 1961 in den Niederlanden erschienenen Roman zweierlei: Er zeichnet ein historisch stimmiges Bild dieser künstlerisch so fruchtbaren Zeit – Wolf begegnet auf seinen Stationen auch Leonardo da Vinci und Michelangelo – ohne dabei lehrmeisterlich zu werden oder den eingentlichen (fiktiven) Handlungsstrang aus den Augen zu verlieren. Seine noch höher zu bewertende Leistung liegt aber in der einzigartigen literarischen Schilderung des Musikerlebnisses an sich; eine Stärke des Autors, die er später mit »Der Kopf von Haydn« (1986) bzw. dem Puccini-Roman »Die Premiere« (1990) bestätigt hat. Unser Fazit: Ein fesselnder Besuch in der Borgiazeit – spannend, anregend und ein Genuß für das geistige Ohr nicht nur des Musikfreunds.
Cantate November-Dezember 2000
Theun de Vries hat mit diesem Roman nicht nur die menschlich ergreifende Geschichte vom Schicksal eines jungen niederländischen Sängers und Komponisten geschrieben, sondern auch ein Zeitbild entworfen, das die Macht des Papsttums, die Zwistigkeiten der Fürstenhäuser und das reiche Kunstleben der italienischen Renaissance lebendig werden läßt.
Es ist das Verdienst des Verlages, Buch und Autor für Deutschland entdeckt zu haben. Und dies, obwohl der heute 92-jährige Autor bereits als 24-Jähriger internationale Aufmerksamkeit erregte.

