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Thomas B. Steinke: Bronskis Treiben
Erscheinungsdatum: 01.03.2008

ISBN 978-3-937717-95-1
238 Seiten, gebunden

Preis: 19,80 €

Thomas B. Steinke Bronskis Treiben

Roman

Buchbeschreibung

Bronski hat die elfenhafte Marie bei einer Ausstellungseröffnung erspäht. Eine Bildhauerin, die zupackende Squaw, soll ihm bei der Eroberung der Kindfrau helfen. Bronski begleitet seine Frau, die ein musisches Gymnasium in einem der Neubaugebiete am Rande der Stadt leitet, nur zu solchen Veranstaltungen, um Frauen zu jagen. Die Gattinnen der Maler sind zumeist einsam, ihre malenden Männer trinken oder betrügen sie, da hat Bronski leichtes Spiel. Bronski gibt sich gern als Zyniker und die Frauen verfallen gern dieser Masche. Auf die Verführung folgt eine heftige kurze Berauschtheit, bei der Bronski sich das Hirn herausvögelt, um dann rechtzeitig Schluss zu machen, bevor die Sache Ausmaße annimmt. So erträgt Bronski seit nunmehr dreiundzwanzig Jahren seine Ehe und das Leben überhaupt. Aber dann gerät Bronski, dem Flaneur zwischen den Schößen, sein Leben aus der Bahn. In seinem Beruf macht er ungewollt Karriere, seine Frau trennt sich von ihm und die Squaw rettet ihm das Leben. Und am Ende denkt die Squaw, es wäre doch schade, Bronski jetzt zu verlieren. Sie hat schließlich viel Arbeit in ihn investiert. Da will sie auch mit ihm alt werden. Tapfer hat sich Bronski durch ihre sieben Prüfungen gequält. Er hat sich mit ihrer Hilfe halbwegs von der Gier, von der Hörigkeit, von der Eifersucht, von der Lüge, von der Angst, vom Hochmut und von der Gleichgültigkeit befreit. Kurz, dieser Bronski ist auf dem Weg vom Mann zum Menschen ganz gut vorangekommen. Jetzt muss sie ihn nur noch von der Macht heilen, dann ist alles halbwegs gut. »Dieser Mann, so wie er da oben am Klinikfenster herumschlurft, ist ihr Werk. Da ist sie stolz drauf. Und als er endlich in ihre Richtung schaut, winkt sie deshalb fröhlich. Und an der Art, wie er zunächst ungläubig, und dann aber ausgelassen, zurückwinkt, erkennt sie, dass Frau, wenn sie nur hartnäckig genug ist, doch den einen oder anderen Erfolg erzielen kann. Glück ist machbar, aber es ist anstrengend.«

Pressestimmen

Bronski hat immer nur das eine im Kopf

Verführerisch
Dieser Bronski hat eigentlich nur eines im Kopf, sich das »Gehirn herauszuvögeln«. So viel zum Sinn des Lebens. Der Berliner Thomas B. Steinke, Jahrgang 1958, hat eine urbane Don-Juan-Geschichte geschrieben. Zweifellos hat jedes Lebensalter seine Hoffnungen, bei Bronski erfüllen sie sich nur in der Eroberung schöner Frauen. Aber nun ist der Mittvierziger in der Midlifecrisis angekommen: Er ist der Ehe überdrüssig, die Frauen werden immer jünger, und der Zufall will es, dass der kleine Chef einer großen Behörde Karriere machen muss. Auch Zyniker sind lernfähig – der Roman hat das Zeug, kultig zu werden.

BERLINER MORGENPOST

Dieser Roman redet nicht um die Dinge herum. Er tut auch nicht, als wolle er etwas Besseres sein. Schon auf der dritten Zeile kommt er zur Sache. Er beschreibt, was dem Romanhelden Bronski beim Anblick einer elfenhaften sehr jungen Frau durch den Kopf geht: »Sein erster Gedanke war: Ficken.« Darum geht es in diesem Buch. Um einen Mann Mitte vierzig, ansehnlich, verheiratet, zwei Töchter, der abwechslungsreichen Sex für seine Lebensaufgabe hält. Es bereichert die unendliche Debatte über Widersprüche zwischen Männern und Frauen um die Komponente des naturreinen Jägers. Um einen Kerl, dem seine Liebschaften nicht einfach »passieren«, weil sich das irgendwie zufällig ergibt auf Reisen oder im Büroalltag, sondern der sportlichen Sex im fremden Bett als seine Herausforderung betrachtet und stetig auf der Suche ist: »Erobern, genießen, verlassen, archivieren« lautet seine Maxime.

Niemand wird behaupten, dass Männer an sich so sind – aber manche schon. Misstrauische Gattinnen oder jagdwarme Ehemänner könnten von dieser Spezies durchaus lernen – die ist nämlich wegen ihrer eher kultivierten und dabei diskret verschwiegenen Art nicht unbedingt sofort erkennbar. Ehefrau Ingeborg etwa wurde nie ohne eine plausible Erklärung allein zu Haus zurückgelassen. Dass sie Bronskis Seitensprünge dennoch bemerkt und sogar gezählt hat (104!), verblüfft den Helden eines Tages.

Aber da befand er sich schon mitten in der Lebenskrise, umzingelt von seinen jüngsten vier Eroberungen, darunter immerhin eine wesentliche. Er musste unfroh feststellen, dass er ein eskapistisches Leben ohne Ziele und Erwartungen führte, Frauen wie Trophäen als Potenzbeweise sammelte, dabei aber seiner Angst vor dem Immergleichen und der Langeweile trotzdem nicht Herr geworden war.

»Bronskis Treiben« ist keine große Literatur, sprachlich drastisch, ohne Eleganz, zudem gern mal sexistisch. Eine halbschwarze Bettgefährtin wird konsequent als Schokotörtchen geführt, Frauen Mitte dreißig sind für Bronski verblühende Schönheiten. Klar doch, und für sich hat er den Anspruch, das Leben noch mal von vorn anfangen zu wollen mit so einem jungen Ding, ohne die Fehler von früher und natürlich ohne, dass die Liebe noch mal verrauscht.

Ein unvorsichtiger Umgang mit potenziellen Leserinnen und ihren Lieblings-Hassthemen ist das – andererseits macht dieser konsequent aus der Mannessicht geschriebene Roman von Thomas B. Steinke (50) einen bis zum Abwinken ehrlichen Eindruck. Dabei ist er unterhaltsam, spannend und dramaturgisch geschickt konstruiert, man nimmt ihn immer wieder neugierig mit auf die Couch. Im zweiten Teil gewinnt er noch an Fahrt, als Bronski vollständig aus den Gleisen geworfen wird, um der so großen wie einfachen Frage nachzugehen »Wie soll man denn leben?«

So, wie bisher jedenfalls nicht. Da zu diesem Leben neben dem Bett auch der Job gehört, und der Held einen leitenden Posten in der Arbeitsagentur hat (»die Anstalt«), kommt es auch hier zu abenteuerlichen Verwerfungen. Beiläufig, aber konsequent werden auch politische Katastrophen gestreift. Bronski nämlich pflegt für die Anstalt eine ähnlich leidenschaftslose Verachtung wie etwa für die sexuellen Bedürfnisse seiner Ehefrau. Die Sachen interessieren ihn nicht, weil er mit anderen beschäftigt ist. Erst als er sich eines Tages zur Spitzenkarriere gedrängt fühlt, als eine Einladung vom Minister ansteht, als er sich vom »Nichts überschwemmt« sieht, ändert sich die Lage. Der Blick auf die Anstalt wird noch zynischer. Wirkliche Politik bestünde im Nichtstun, erklärt der Minister, im Beobachten und Aushalten. Die Anstalt in ihrer Nutzlosigkeit gehöre eigentlich gesprengt.

Na bitte, das wäre eine Überlegung aus berufenem Mund. Auch in politischen Fragen wird also nicht um die Dinge herumgeredet. Was man einem Roman wie diesem sofort glaubt: Die treulosen Weiberhelden sind auch nicht glücklicher als die braven Familientiere.

Birgit Walter, BERLINER ZEITUNG

Der Autor Thomas B. Steinke hat ein witziges Buch geschrieben, mit einer lakonischen deftigen Sprache. Die Spielchen, die zwischen Männern und Frauen ablaufen und die Machtspielchen am Arbeitsplatz hat er treffend und lustvoll entlarvend formuliert.

NDR 1 »Niedersachsen Bücherwelt«

Ein ohnmächtiger Don Juan der Unlust

*Romanheld Bronski hält sich am Anfang der Geschichte für einen veritablen Frauenhelden mit beachtlichen Verführungskünsten. Mit der Zeit merkt er jedoch, dass er es ist, mit dem die Frauen spielen und sein Treiben mündet in Unlust. Thomas B. Steinke parodiert auf vergnügliche Weise den frivolen Männerroman.*Das Titelbild dieses Romans ist vielsagend: Es zeigt Schmetterlinge. Eine ganze Sammlung aufgespießter Schmetterlinge in allen Farben und Farbkombinationen. Bronski, der Held des Romans, ist tatsächlich ein Jäger und Sammler, allerdings ist er nicht mit dem Schmetterlingsnetz unterwegs, sondern mit der Verführungskunst seines männlichen Charmes.
Bronski, ein verheirateter Mann unserer Tage, Vater zweier Töchter, höherer Angestellter in einem nicht näher bezeichneten Unternehmen, sammelt Frauen wie andere eben Schmetterlinge. Er liebt das andere Geschlecht und er liebt die etwas bürokratische Maxime des Don Juanismus, sich möglichst viele Exemplare desselben zu eigen zu machen.
Vor dem modernen Don Juan Bronski ist keine Sekretärin und keine Kollegin sicher. Schlendert Bronski durch die Vernissage einer Galerie, hat er gleichzeitig eine stämmige Malerin im Arm und das zierliche Büffetmädchen im Auge. Besichtigt er eine zum Verkauf stehende Wohnung, mündet der Besichtigungstermin unweigerlich in ein rasches Schäferstündchen mit der Maklerin.
Nur: Bronski, dessen Treiben sich in unserer Gegenwart, das heißt, im Zeitalter weiblicher Emanzipation vollzieht, ist kein triumphierender Don Juan. Bronski, der noch zu Romanbeginn glaubt, die Puppen nach Lust und Laune tanzen zu lassen, muss im Lauf der Geschichte lernen, dass er selbst die Puppe ist, mit der die Frauen spielen.
Seine Ehefrau, die er glaubt, mit hoher Raffinesse hinters Licht zu führen, weiß längst Bescheid und kann die Namensliste seine Eroberungen auswendig zitieren. Seine Vorgesetzte im Büro hat ihn in der Hand und legt ihm die Termine amouröser Treffen gebieterisch auf den Schreibtisch. Die stämmige Malerin trifft mit dem zierlichen Büffetmädchen eine, Bronskis Liebesleben organisierende, Vereinbarung. Kurzum: Bronskis Triebleben nimmt den Charakter der Gefangenschaft an, und Bronski selbst will am Ende vor allem eines: Seine Ruhe, seine Freiheit. Aus dem Don Juan aus Langeweile und Zynismus wird ein Don Juan der Unlust und der Ohnmacht. Je mehr Frauen er erobert, desto weiter fühlt sich Bronski von jedweder Lebendigkeit entfernt.
Auf unterhaltsame und komische Weise stellt der 1958 in Berlin geborene Autor Thomas B. Steinke, der bislang vor allem für das Fernsehen gearbeitet hat, in seinem Romandebüt die Logik des Don Juanismus auf den Kopf. »Bronskis Treiben« parodiert das Genre des frivolen Männerromans und lässt den Helden am Ende dorthin gelangen, wo er sich vom strapaziösen Umgang mit dem starken Geschlecht endlich erholen kann: Im Krankenhaus.

Ursula März, Deutschlandradio Kultur

Der Berliner Drehbuchautor Thomas B. Steinke zeichnet in seinem Debütroman eines tragikomischen Helden unserer Zeit. Bronski will spielen und wird zum Spielball, er will im Hintergrund bleiben und macht unfreiwillig Karriere. Kein ungewöhnlicher Mann, aber eine herrlich neue Herangehensweise ans Vögeln und Leben.

hs, BLU