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Claus Helmut Drese: …aus Vorsatz und durch Zufall…
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

ISBN 978-3-920862-24-8
580 Seiten, ca. 50 Abbildungen, gebunden

Preis: 30,00 €

Claus Helmut Drese
…aus Vorsatz und durch Zufall…

Theater und Operngeschichte(n) aus 50 Jahren

Buchbeschreibung

Brilliante Miniaturessays, Gedankenblitze über Dirigenten, Regisseure, künstlerische Konzepte und die singenden Zugvögel. Wenige Seiten braucht Claus Helmut Drese, um das Auf und Ab mit seinem Musikdirektor Claudia Abbado, mit Harnoncourt, mit Ursel und Karl-Ernst Hermann zu schildern. Dreses genauer und reflektionsfreudiger Beobachtungsgabe gelingen präzise Menschenpsychogramme. Das Theater hat das Publikum fasziniert und geistig geprägt wie keine andere Kunstform. Die Uberwindung der NS-Ideologie, die Bewußtmachung der Naziverbrechen, die künstlerische Öffnung nach West und Ost, die Wiederentdeckung der Zwanziger Jahre, die kritische Durchleuchtung der politischen Gegenwartstendenzen – all das hat die Spielpläne unserer Bühnen geprägt. Viele bedeutende Uraufführungen fanden statt, von Brecht bis Zuckmayer, in der Oper von Blacher bis Zimmermann. Eine neue Ballettkultur konnte sich entwickeln; aus der alten Oper ist modernes Musiktheater geworden. Von großen Regisseuren wie Piscator oder Ponnelle ist die Rede, von Dirigenten wie Abbado, Harnoncourt oder Karajan, um nur wenige Namen zu nennen.

Pressestimmen

Claus Helmut Drese – Dramaturg, Regisseur und von 1959-91 Intendant – neigt weder zur Selbstbespiegelung noch zum Selbstmitleid und zeichnet sich durch eine erfreuliche Tendenz zur Genauigkeit und Objektivität aus. Das Buch ist konzentrierte Theatergeschichte, das rein Anekdotische, auf das in der Klammer des Buchtitels angespielt wird, nimmt nur marginalen Raum ein. In lapidarer Kürze, oft nur stichwortartig, umreißt Drese Inhalt und Eigenart von Stücken oder den Charakter einer Inszenierung. Länger hält er sich bei wichtigen künstlerischen Weggefährten auf, insbesondere bei Istvan Kertesz, Jean-Pierre Ponnelle, Nikolaus Harnoncourt, Claudio Abbado oder dem Schauspielmann Hansgünter Heyme, den er – im Gegensatz zu einem großen Teil der Theaterkritik – sehr hoch einschätzt. Auch Begegnungen mit Nikos Kazantzakis und Friedrich Dürrenmatt sind dem Autor ein eigenes Kapitel wert.
Opernfreunde werden sich vorrangig auf den zweiten Teil des Buches stürzen, der den Zürcher und Wiener Erfahrungen gewidmet ist. Noch aufschlußreicher ist jedoch, schon wegen der großen zeitlichen Distanz, der erste. Denn dort wird das deutsche (Provinz-)Theater der Nachkriegszeit in allen seinen Facetten lebendig, in seiner räumlichen (und oft auch ideologischen) Beschränktheit wie in seiner Arbeitsmoral und seinem (heute oft verlorengegangenen) Idealismus. ?
Man kann dieses Buch gar nicht anders als in einem Atemzug lesen, und man legt es aus der Hand mit dem Gefühl, daß hier einer schreibt, der seine Arbeit immer wichtiger genommen hat als sich selbst, sein Leben lang mehr Lernender war als Belehrender und die Neugier des Knaben, der heimliche Erkundungen auf der Bühne des Aachener Stadttheaters unternahm, bis ins Alter nicht verloren hat.

OPERNWELT

Erinnerungen an fünfzig Jahre Schauspiel- und Opernarbeit in neun Städten und vier Ländern. Jeder Lebensstation – Marburg, Osnabrück, Mannheim, Heidelberg, Wiesbaden, Köln, Zürich, Wien und Athen – ist ein eigenes Kapitel gewidmet, doch aus der Abfolge dieser Kapitel ergibt sich eine facettenreiche Gesamtschau der Entwicklungen im deutschsprachigen Theater seit 1945. Bis in die siebziger Jahre war Dreses primäres Wirkungsfeld das Schauspiel; später weitet sich der Blick auf die internationale Opernszene.
Mit den künstlerischen und kulturpolitischen Entwicklungen verbinden sich Künstlerpersönlichkeiten, die in prägnanten Skizzen porträtiert werden.

NEUE ZÜRCHER ZEITUNG

Drese kann gut erzählen. Der einstige Direktor des Opernhauses Zürich und der Wiener Staatsoper, der gegen Ende seiner Karriere von 1991 bis 1996 in Athen ein Musikzentrum aufbaute, kann auf über siebzig Schauspiel- und Operninszenierungen zurückblicken, somit auch auf ein reiches Leben, das er nicht ohne Grund »sinnerfüllt« nennt, denn er erkannte, dass nur wenige seiner Generation so wie er in der Gunst der Zeit standen und sich von Stufe zu Stufe zielstrebig entwickeln konnten »aus Vorsatz und durch Zufall«, wie Goethe den Theaterweg beschrieb. Deshalb empfindet es der vom Glück begünstigte Theatermann auch als ein Gebot der Dankbarkeit, über fünzig Jahre erlebter Theaterarbeit zu berichten, von den Improvisationen nach dem Kriegsende bis zu künstlerisch vollendeten Opernabenden in internationalem Glanz.

RHEIN-NECKAR-ZEITUNG

Und für den Theaterfreund ist es erhellend, wie einfühlsam Drese die seelischen Prozesse beschreibt, die sich in Proben und Aufführungen auf der Bühne abspielen. Und immer wieder entzückt der Pragmatiker mit geschliffenen Sentenzen: »Skandal-Inszenierungen sind wie Peitschenhiebe auf dem Rücken des Dickhäuters Publikum – er bewegt sich deshalb nicht schneller.« Schon gar nicht in Wiesbaden, wo der Wein alle Konflikte »zu Disharmonien des Augenblicks milderte«.

KÖLNISCHE RUNDSCHAU

Die genaue Beobachtung der politischen und gesellschatlichen Zeitläufte, die Auseinandersetzung und der schwierige, verantwortungsvolle Umgang mit der furchtbaren deutschen NS-Vergangenheit, die aufregenden gesellschaftlichen Umwälzungen 1968, die Zürcher Opernhaus-Krawalle 1980 und die Öffnung des Eisernen Vorhangs begleiteten und bestimmten immer wieder Dreses Theaterarbeit. Maximen und Reflexionen, Leiden an der deutschen Geschichte, Axiome übers Theater, die Suche nach dem richtigen Weg zwischen Avantgarde und Bewährtem, inhaltliche Auseinandersetzungen mit Schauspiel und Oper, aber auch Porträts und Anekdoten bekannter Künstlerkollegen machen sein glänzend formuliertes Buch zur spannenden, überaus lehrreichen Lektüre.

MANNHEIMER MORGEN

Opernbuch des Jahres 2000

gewählt von der Zeitschrift Opernwelt

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