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Werner Müller: Aus dem Feuer gerissen
Erscheinungsdatum: 01.03.2001

ISBN 3920862309
280 Seiten, 50 Abbildungen, gebunden

Preis: 19,00 €



Auch als E-Book erhältlich!

Werner Müller
Aus dem Feuer gerissen

Die Geschichte des Pjotr Ruwinowitsch Rabzewitsch aus Pinsk Mit einem Vorwort von Gideon Greif (Yad Vashem)

Buchbeschreibung

Im August 1942 liegen in der Luft um Pinsk herum Todeswolken. Die Mordkommandos kommen näher und näher. Für die 28 000 Juden im Ghetto gibt es keine Hoffnung mehr. In dieser ausweglosen Lage beschließt ein junger deutscher Soldat einen Juden zu retten und für ihn sein Leben zu riskieren.

Eruchim Fischl Ruwinowitsch Rabinow lebt vor dem Zweiten Weltkrieg in Pi´nsk, einer jüdisch geprägten Stadt in Ostpolen. Durch den Hitler-Stalin-Pakt ist Pi´nsk im September 1939 ein Teil der Sowjetunion geworden. Damit endet dort das jüdische Leben. Mit dem Überfall der Deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion im Juni 1941 beginnt für die Juden die Katastrophe. Bereits im August ermordet ein Sonderkommando 10 000 männliche Juden in Pi´nsk. Im Mai 1942 werden alle Juden der Stadt in einem Ghetto zusammengepfercht. Unvorstellbare Enge, Hunger, tägliche Morde und die verzweifelten Versuche der Menschen zu überleben sind der Alltag im Ghetto. Günter Krüll, Leiter der Wehrmachtsdienststelle, bei der Eruchim Fischl als Telefontechniker beschäftigt ist, will ihn retten. Als im Oktober 1942 die Menschen des Ghettos ermordet werden, versteckt Krüll den Juden fast einen Monat in seinem Zimmer, bis er ihn mit einem gefälschten Ausweis auf den Namen Pjotr Rabzewitsch, Russe, nach Kiew schicken kann. Nur mit viel Geschick und Glück gelingt es Pjotr zu überleben.Nach der Befreiung durch die Rote Armee bleibt er in Kiew.Ohne Hass versucht Pjotr das Vermächtnis seiner im Ghetto ermordeten Mutter zu erfüllen: »Wenn du am Leben bleibst, musst du erzählen, was man mit uns gemacht hat.« Spielberg-Foundation Die Spielberg-Foundation hat die Geschichte von Pjotr Ruwinowitsch Rabzewitsch mit der Kamera aufgezeichnet und sein Schicksal stellvertretend für viele Namenlose als filmisches Dokument für die Nachwelt erhalten.

Pressestimmen

Aus der Erinnerung Das Buch entstand nach Tonbandprotokollen. Der Herausgeber hat kaum eingegriffen, so scheint es jedenfalls beim Lesen. Pjotr Rabzewitsch erzählt sachlich und klar. Emotionale Wirkung erzielen vor allem die starken präzisen Fakten. Anhand der weißrussischen Stadt Pinsk – 30 000 Juden lebten hier – erfahren wir in vielen interessanten Details ein Stück jüdischer Geschichte aus einer Gegend, von deren dramatischer Vergangenheit man bis heute kaum etwas weiß. Spannend zu lesen, wie sie einst feierten – in Freude und in Trauer, wie sie die Bräuche der Väter bewahrten, sich bei jedem religiösen Fest am Ende versprachen: »Nächstes Jahr in Jerusalem?« Für die meisten in Pinsk, auch für Rabzewitsch, ein unerfüllter Traum. Massengräber Nach dem Überfall auf die Sowjetunion marschiert die deutsche Armee am 04. Juli 1941 in Pinsk ein (vor dem Hilter-Stalin-Pakt eine Stadt in Ostpolen). Am gleichen Abend werden die ersten dreißig Juden im Stadtpark erschossen, wenige Tage später der Bruder von Pjotr, er ist einer von zehntausend in Pinsk. Im Mai 1942 werden alle Juden des Ortes in ein Ghetto getrieben. Der deutsche Offizier Günter Krüll versteckt den Juden solange in seinem Zimmer, bis der mit gefälschten Papieren nach Kiew fliehen kann. Hier lebt Pjotr bis heute. In einem Nachwort bekennt der Autor, dass er vor der Begegnung mit Pjotr den Namen des Ghettos Pinsk nie gehört hatte und von den Vernichtungslagern im Osten, in Weißrussland und in der Ukraine kaum etwas wusste. Er schreibt: »Das sind nicht nur weiße Flecken auf den Landkarten, sondern auch in unserem kollektiven Gedächtnis.« Die im Ghetto ermordete Mutter von Pjotr Rabzewitsch zum Abschied: »Du musst erzählen, was man mit uns gemacht hat.« Historische Dokumente und Fotos ergänzen das Buch vorzüglich und erhöhen den Wert des Authentischen. Stimmungen, Gefühle, Farben und Feinheiten werden wiedergegeben, wie es in dieser Kraft nur das eigene Erleben vermag. So haben die Erinnerungen des Pjotr Ruwinowitsch Rabzewitsch eine jüdische Gemeinde, die heute nicht mehr existiert, vor dem Vergessen bewahrt.

Das Parlament

»Aus dem Feuer gerissen« Die Geschichte des Pjotr Ruwinowitsch Rabzewitsch aus Pinsk Das Buch erzählt die unglaublich anmutende Geschichte einer tragischen und ergreifenden Rettung. Ein kleines Hoffnungszeichen mitten in dem Dunkel der Shoa. Denn ein deutscher Wehrmachtsangehöriger riskiert sein Leben für einen jungen jüdischen Mann und rettet ihn. Im August 1942 ist der Tod greifbar nahe für die Bewohner des Ghettos in Pinsk, einer kleinen polnisch-russischen Grenzstadt. Unter ihnen auch der 18-jährige Pjotr Ruwinowitsch Rabzewitsch. Die Mordkommandos der Nationalsozialisten rücken näher. Für 28.000 jüdische Menschen gibt es keine Hoffnung mehr. Einer, einer wird gerettet, wird »aus dem Feuer gerissen«, Pjotr Ruwinowitsch Rabzewitsch. Ein deutscher Soldat hat den Mut, sein eigenes Leben aufs Spiel zu setzen. Die Rettung ist ebenso abenteuerlich und verschlungen wie die Wege, die bis zu dieser Publikation geführt haben. Beide Männer überleben den Krieg, beide hören nie mehr von einander. Doch der Gerettete gibt nicht auf, seinen Retter zu finden. Jahrzehntelang versuchte Pjotr Ruwinowitsch Rabzewitsch seine Geschichte loszuwerden, denn dafür hatte er als einziger überlebt. Er hatte es seiner Mutter beim Abschied versprochen. »Die Welt soll erfahren, was mit den Juden geschehen ist«, hatte sie ihrem Sohn ans Herz gelegt. Aber wie sollte es die Welt von ihm erfahren, der in der Sowjetunion – abgeschnitten von der Welt – sein Überleben suchte ? Von einem guten Deutschen wollten die Sowjets nach dem Krieg und auch später nichts hören, und die Geschichte des jüdischen Volkes lag ihnen auch nicht sehr am Herzen. Nach vielen Umwegen kam das Ehepaar Müller aus Lindenthal in Kontakt mit dem geretteten Mann, der nach 50 Jahren immer noch vergeblich seinen Retter suchte und damit auch die Geschichte der Ermordung der Menschen im jüdischen Ghetto erinnern wollte. Dem Atem des Erzählenden hauchen die Berichte von Ruwinowitsch Rabzewitsch. Der Hauptteil des Buches umfasst Tonbandaufzeichnungen. Seine sehr persönliche Erzählweise fasst unaufdringlich andringend Schweres in Worte. Das Unbegreifliche wird in einer Familiengeschichte konkret. Pjotr Ruwinowitsch Rabzewitsch gewährt uns einen Einblick in sein Leben und den Kontext seiner Rettungsgeschichte. Die Geschichte geht unter die Haut. Ergänzend zu dem biografischen Teil hat der Herausgeber Werner Müller das Buch mit Dokumenten der Zeitgeschichte und wissenschaftlichen Querverweisen und Anmerkungen angereichert. Die persönlichen und dokumentarischen Seiten ergänzen einander und zeigen das Ausmaß der Vernichtung und das Besondere dieser Rettungsgeschichte. Eine Geschichte, die man nie mehr vergisst.

Lindenblatt/Ev. Kirchengemeinde Köln-Lindenthal November 2001-Januar 2002