
- Erscheinungsdatum: 07.08.2001
ISBN 3920862376
180 Seiten, gebunden
Preis: 16,00 €
Bergit Forchhammer
Abschied von Luise
Das Schicksal eines Kölner Juden
Buchbeschreibung
»Du kannst das alles durchs Feuer jagen!« Mit diesen bitteren Worten überreichte mir Luise Oppenheimer vor vielen Jahren alle Unterlagen ihres verstorbenen Mannes. »Verzeihe, wenn ich bei diesem Schreiben auf die Heizung zu Hause komme. Achte darauf, dass im Zimmer unten das Gitter nicht zugedeckt ist, für frische Luft gesorgt wird und die Klappe im Keller an dem viereckigen nach unten führenden Luftschacht offen ist. Sie ist in Kopfhöhe und besteht aus eisernem Griff. Diese schließt man und öffnet die Schwengel-Klappe ?« (15.11.1942) Adolf Oppenheimers persönliche Papiere, Briefe, Kalendernotizen, Visum-Anträge, Verordnungen der jüdischen Gemeinde und nicht zuletzt ein von Luise angefertigter 64 Schreibmaschinenseiten umfassender Bericht über ihre gemeinsame Leidenszeit wurden nicht »durchs Feuer gejagt«. Sie sind erhalten geblieben und erzählen heute die Geschichte von Adolf Oppenheimer von 1938 bis zum 15. November 1942, dem Datum seines letzten Briefes aus dem Gefängnis. »Wenn Du diese Zeilen erhalten wirst, bin ich bereits fort von hier. Man sagte mir gestern, dass ich Montag Morgen nach Auschwitz komme – es kann auch Aussitz oder Ausswitz heissen ? der Ort war meinen Vorgesetzten nicht bekannt.« Adolf Oppenheimer starb am 13.12.1942 um 14.30 Uhr. Das Datum ist bekannt, weil es Luise als Nichtjüdin gelang, eine Sterbeurkunde zu erzwingen, was damals sehr ungewöhnlich war. Ort der Handlung ist Köln. Die Hetze gegen die Juden wird täglich schlimmer. Trotz der Schwierigkeiten, die ihm im steigenden Maße auferlegt werden, bewahrt sich Adolf den naiven Glauben an irgendeine Form von Gerechtigkeit. Als Frontkämpfer des Ersten Weltkrieges, mit mehreren Verdienstkreuzen ausgezeichnet, glaubt er, er müsse unverwundbar sein. Und die Angst vor der Trennung von seiner geliebten Luise sowie Berge bürokratischer Hemmnisse verhindern die dringend gebotene Ausreise. Endlich, kurz vor Kriegsausbruch, gelangt er auf ein Schiff nach Südamerika. Doch das Schiff wird auf hoher See gezwungen nach Hamburg zurückzukehren. Eine Rückkehr in den Tod.
Pressestimmen
Persönliche Briefe, Papiere, Kalendernotizen, Verordnungen und Visum-Anträge, die ihr 1952 Luise Oppenheimer mit den Worten ?Du kannst das alles durchs Feuer jagen!? in die Hand drückte, hat die Autorin in ihrem Buch verarbeitet ? weil sie die Geschichte aufschreiben wollte ? gegen das Vergessen. Eng verknüpft mit dem Leben Adolf Oppenheimers ist die ganz persönliche Geschichte der Autorin.
Zum Gedenken an Adolf Oppenheimer setzte der Künstler Gunter Demnig einen seiner Stolpersteine vor das Haus mit der Nummer 40 an der Paffrather Straße in Dellbrück, in dem Oppenheimer einst lebte.
Kölner Stadt-Anzeiger
Die 80-jährige Bergit Forchhammer hat die einzigartigen Zeugnisse, die heute im Kölner NS-Dokumentationszentrum zu sehen sind, nicht durch das Feuer gejagt, sondern in einem 115 Seiten langen Buch verarbeitet.
?Abschied von Luise? sei keine Bettlektüre. Das Thema sei ihr beim Schreiben emotional sehr nahe gegangen, sagt die Autorin. Bergit Forchhammer lebt und arbeitet heute als Publizistin und Autorin in der Nähe von Kopenhagen.
Kölner Rundschau
Eng verknüpft mit dem Leben Adolf Oppenheimers ist die ganz persöliche Geschichte der Autorin, und vielleicht deshalb hinterließen die Lesungen in Köln beim Publikum ein beklemmendes Gefühl: ?Adolf Oppenheimers Gescichte ist eine besonders tragische?, sagt Forchhammer und fügt hinzu: ?Vielleicht weil seine Geschichte auch eine Liebesgeschte ist.?
Kölner Stadtanzeiger
Forchhammer, die selbst noch bei Ausbruch des Krieges nach England flüchten konnte, dokumentiert in “Abschied von Luise” die bewegende Lebensgeschichte des Kölner Ehepaares Adolf und Luise Oppenheimer. Anfang der 50er-Jahre hat sie von Luise selbst beider Briefe und Aufzeichnungen erhalten. Adolf Oppenheimer nahm als ehemaliger aktiver Kriegsteilnehmer im 1. Weltkrieg die Bedrohung durch das Nazi-Regime lange Zeit nicht ernst. Hinzu kam, dass er durch die “Mischehe” mit der “arischen” Luise tatsächlich relativ sicher in Deutschland leben konnte. Es gab zwar Versuche, das Land zu verlassen, die Oppenheimers
konnten aber nie genug Geld für beider Fllucht aufbringen. Aufgrund einer Denunziation wurde er 1942 schließlich verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Bergit Forchhammer hat die authentischen Dokumente um einige Zahlen und Fakten (Deportationsliste) ergänzt, lässt aber vor allem das Ehepaar selbst in seinem Leid und seiner Ohnmacht zu Wort kommen.
ekz-Informationsdienst

