Pressestimmen:

Der Ich-Erzähler ist Musiker, war Orchestermusiker am Bochumer Stadttheater und musikalisch durch und durch ist auch der Text. Musikalisch, rhythmisch und gewohnt sprachoriginell. Ein wahrer Heisl halt.

»Die Wörter füllten das Haus. Die Geräusche füllten die Zimmer des Hauses. Eins nach dem anderen. Bis unter das Dach. Ja ... Sogar aus den Schornsteinen stiegen dicke Wortschwaden. Die Wände begannen sich zu wölben. Verbogen sich. Schienen jeden Augenblick bersten zu wollen. Das kleinste der Geräusche wurde zu einem Wort; irgendwann würde dieses Haus an irgendeiner Stelle nachgeben, um sich in einem lang gezogenen Schrei letztendlich aufzulösen.« (S. 224)
...
»Abriss« ist eine berührende, streckenweise komische, mitunter ausführlich abschweifende, aber immer sprachstilistisch angenehm hochtrabende Angelegenheit. Eine starke Abrechnung.


Markus Köhle, Literaturhaus am Inn


Ein Mann kehrt zurück an den Ort seiner Kindheit, quartiert sich im Hotel ein, um den Abriss des auf einer Müllkippe erbauten Elternhauses zu überwachen. Der Gestank der Fäulniss zieht sich durch das Buch. »Abriss« ist die geballte Kritik an einer Familie, einer Generation. Ein Blick zurück im Zorn auf ein Aufwachsen, das vom Einzelkind erlittten wurde, ein Befreiungsversuch aber ohne Katharsis. Vom Vater gehasst, von der Mutter links liegen gelassen. Die sehnte sich nach einem anderen Leben, traf sich mit Männern zu kurzen Abenteuern und zwang den Sohn zur Lüge. Einzig bei der Großmutter fühlte das Kind sich geborgen und geliebt. Heisl schildert die Kindheitshölle in kleinen Prosastücken, meißelt sie aus seinem Wortschatzmassiv und fixiert Szene für Szene auf Papier. Eine schlimmer und härter als die andere mit ausgefeilten Wortfolgen, die man am besten laut und atemlos liest. Dabei entsteht ein Sog, der einen immer tiefer in den Roman zieht. Denn so furchtbar die geschilderte Atmosphäre, die Kälte aus Hass, Lüge, Sterben und Tod ist, die Sprache ist dicht, berauschend und lässt einen nicht mehr los. Heisl findet Bilder, die so eindringlich sind, dass der Gestank einem aus den Buchseiten entgegensteigt.


Matthias Reichelt, Zitty


Heisl hat eine bildhafte Sprache. Er blickt fast mit der Lupe aufs Detail. Bei der Schilderung einer medizinischen Begebenheit treibt er das »Fach-Chinesisch« bis ins Absurde.


Die Botschaft


Idylle der Lieblosigkeit

»Wo soll ich jetzt bleiben ...?« »Wo ...?« sind die letzten Worte in Heinz D. Heisls Abrechnung mit einer ungenannten Eltern- und Kindheitskleinstadt irgendwo im westlichen Österreich.

Der gekonnt umherschweifende literarische Blick des 56-jährigen Tirolers fällt auf die Tristesse der Nachkriegsjahre: Kriegsschäden an Gebäuden und Menschen, Unsicherheiten in der sozialen Zuordnung zwischen Bauern, Arbeitern und Angestellten, der materielle Fortschritt und die motorisierte Mobilität bei gleich bleibend autoritären Strukturen sind die Themen der rasch und doch unvermittelt aufeinander folgenden kurzen Sequenzen.

Die Hauptperson, ein junger Mann, der nicht anders heißt als »er«, erlebt auf einer Zugsfahrt nochmals die schalen Höhepunkten des Erwachsenwerdens, erkennt Leere statt Liebe. Nahm erst der Krieg den Familien die Liebe - oder war auch vorher keine Liebe da? Der Vater ist nichts, nur der »Matrosenkappenmann« aus dem Weltkrieg, die Großmutter weint, und die Mutter ist enttäuscht.

Das selbstgefällige Bewegtsein als zentrales Motiv, als Sinnbild so genannter Aufbaujahre, weht einen vermeintlichen Duft der großen weiten Welt in die Kleinstadt. Diese aber wird dadurch nicht größer, sondern nur noch kleiner; in Kontrast zum Zentrum verstärkt die Peripherie die gefühlte und verdrängte Provinzialität. Das Hinterland ist in jedem Wort wahrnehmbar, durch Stimmen und Stimmungen gefährlich bedrückend.
Die von Leere gehemmte Bewegung erstarrt an überlangen Komposita; in ihnen konzentriert der Autor die bürokratische Sperrigkeit der Nachkriegsjahre, als »Kleinhäuslergartenbesitzer« »Wirtschaftswundersommerfrischler« treffen, die von »umsichtig unterwürfigen Stadtvätern« begrüßt werden.
Heinz D. Heisl, der vor seiner Tätigkeit als Schriftsteller Musik studierte, verschafft den Szenen des Buchs den schleppenden - nicht faden! - Nachklang eines Kleinbürgerlebens und eine Sprachmusik, die zu lautem Lesen einlädt. Wann, möchte man den Verlag fragen, gibt es »Abriss« als Hörbuch?

(Wolfgang Moser, 09/2008)


sandammeer.at


In dem Roman »Abriss« geht es um die Abrechnung mit der eigenen Sippschaft. Es ist ein Familienroman, der keinerlei Idylle propagiert, sondern nahezu ausschließlich extremen Groll und Verbitterung. Eine Verbitterung, die während einer Zugreise ständig an Größe zunimmt, während der Protagonist noch einmal in die muffige Kleinstadt seiner Kindheit reist. Er will die Abrissarbeiten an dem geerbten und sofort wieder verkauften Elternhaus begutachten. Während der Zugreise dort hin steigen in ihm verstärkt Erinnerungen an eine längst verdrängte und verabscheute Kindheit auf. Plötzlich tauchen sie alle noch einmal vor seinem geistigen Auge auf, die Personen, die ihm, bis auf die liebe Großmutter, seinerzeit das Leben schwer machten. Allen voran Vater und Mutter, die in ihm stets nur einen Versager sahen. Extrem sprachgewaltig schildert der Autor hier wie längst verdrängte Erinnerungen blanken Hass schüren können und allein schon deshalb ist dieser Roman absolut empfehlenswert.


Norbert Striemann, Büchermagazin LITERADIO


Vater und Mutter ehren - trotzdem

Durch und durch österreichisch
Die Atmosphäre, der man in »Abriss« begegnet, kennt man aus anderen österreichischen Büchern wie zum Beispiel Arno Geigers »Es geht uns gut«. Eine durch und durch österreichische Geschichte. Dies ist bereits an den Wörtern zu erkennen: Kaisersemmel werden zum Frühstück verzehrt, Krankheiten im Landeskrankenhaus behandelt. Die Kindheit des Protagonisten ist in den frühen 60er-Jahren angesiedelt – die Zeit des deutschen Wirtschaftswunders, wo Heerscharen von deutschen Touristen in Scharnow-Reisezügen in die österreichischen Ferienregionen gekarrt wurden. Kleinbürgerlichkeit, wohin man blickt. Die Gärten sind akkurat geschnitten, alles ist in Reih und Glied.

Über das Werden und Vergehen
Seite für Seite und mit einer sprachgewaltigen Virtuosität wird vor dem Leser die Kindheit des Protagonisten aufgerollt. Heisl legt dabei Wert darauf, immer wieder den existentiellen Zusammenhang sichtbar zu machen: Werden und Vergehen sind omnipräsent. Nicht nur das menschliche Geboren werden und Sterben, sondern auch die Vergänglichkeit von menschlich kreierter Spiess- und Kleinbürgerlichkeit: So wird das Elternhaus des Protagonisten schliesslich dem Erdboden gleichgemacht. Der Epilog bringt jedoch zum Ausdruck, dass sich der erhoffte Segen dann doch als Flucht entpuppt: Zwar wurden die materiellen, familiären Wurzeln ausradiert, die Erinnerung existiert jedoch weiter.


Stephan Sigg, www.nahaufnahmen.ch


Narben auf der Seele

Die Welt hatte nicht auf ihn gewartet - und trotzdem war er plötzlich da. Hineingestellt in ein Leben, das viel mehr Tiefen als Höhen für ihn bereithielt. Liebe, Geborgenheit, Glück - was für andere selbstverständlich war, blieb für ihn viel zu oft nur ein unerfüllter Traum.

Der Weg zurück wird zur Konfrontation mit der eigenen Biographie. Eindrücke, Episoden, Empfindungen und Menschen ziehen noch einmal vor seinem geistigen Auge vorbei. Und alles kommt ihm (und damit auch dem Leser) vor, als sei es gerade erst passiert. Er weiß, dass er sich seiner Vergangenheit stellen muss, so weh das auch tun mag, weil er sonst niemals seinen Frieden finden kann. Schließlich lässt er sein Elternhaus abreißen, als würde er eine Nabelschnur durchtrennen, die ihn mit einem Leben verbindet, das nicht viel Gutes für ihn bereitgehalten hat.

Es ist nicht die reine Freude, so etwas zu lesen. Die Geschichte dieses Jungen schmerzt, unweigerlich beginnt man mit ihm zu leiden. Und dennoch kann man sich dem eigentümlichen Reiz dieses außergewöhnlichen Buches nicht entziehen. Heinz D. Heisl versteht es wie nur wenige, mit einer Eindringlichkeit zu erzählen, die fesselt. Es sind berührende Momente, die der Autor für seine Hauptfigur festgehalten hat. Manchmal wird die Tristesse durch (tragi-)komische Zwischentöne etwas aufgehellt. Und der Leser hat immer wieder das Gefühl, hautnah dabei zu sein. Heisl beobachtet mit einer selten gekannten Genauigkeit, frühere Empfindungen lässt er im Gedächtnis seines Protagonisten wieder hochkriechen, Erinnerungen seziert er ohne falsche Scheu. Er spielt virtuos mit seiner Sprache, so wie man das auch von seinen früheren Arbeiten gewohnt ist - dass der Autor Musik studiert hat, überrascht kaum, wenn man sich den Text auf der Zunge zergehen lässt. So entwirft er in seinem neuen Roman »Abriss« (Dittrich Verlag, 19.80 Euro) nicht nur eine Lebensgeschichte, sondern auch das bewegende Bild eines Kleinbürgerlebens in der Nachkriegszeit, das schieres Dasein als das wahre Leben missversteht.


Gaby Weiß, Esslinger Zeitung


 Eine triste Kindheit und darüber hinaus

 Es gibt Bücher, die von der ersten Zeile an, einen derartigen Sog entwickeln, dass man bis zum Ende nicht mehr loskommt und wenn man es schlussendlich zur Seite legt, es weiter an den Nerven zerrt. Mit dem Roman »Abriss« von Heinz D. Heisl wird ein solches Werk vorgelegt.

Heinz D. Heisl entwickelt in »Abriss« einen präzisen Sprachduktus, penibelst ist Satz für Satz durchkomponiert, als hätte man eine Partitur vor sich liegen. Die Bilder, die er verwendet, sind oft überreizt und dennoch glasklar und prägen sich beim Leser intensiv ein.

Ein Buch, das unter die Haut geht. 


Elias Schneitter, Tiroler Tageszeitung


»Abriss«, ein gut gelungener bisweilen sprachlich grotesker und eigentümlicher Roman über abgewiesene Elternliebe und Hass.

»Abriss«, ein Eltern-Kind Drama, das die schwere bittere Mitgift einer lieblosen elterlichen Hand zeigt. Heisls Protagonist leidet unter den elterlichen Ungerechtigkeiten, die Angst in ihm säen, ihn verachten und bedingungslose Unterwerfung fordern. Aus dem Schmerz wird Hass und dieser nagt am Selbstwertgefühl, raubt den Atem und zersetzt das Leben. Was bleibt ist ein Einzelgänger, gefangen in einem Hasskäfig, dessen Zerstörungsdrang der Kindheitserinnerung zum Pyrrhussieg wird.


Soraya Levin, www.lipola.de


Erinnerung gleicht manchmal jenem Vorgang, den wir »in die Speichen greifen« nennen, das Rad der Zeit dreht sich unbarmherzig, wer unvorsichtig hineingreift holt sich oft blutige Finger.

In Heinz D. Heisls Roman »Abriss« geht es um Verletzungen, Abrechnungen, Wunden aus der Kindheit. Der Abriss hat dabei etwas Literarisches an sich, wie man die Blätter eines Kalenders abreißt und einen Ablauf verkürzt widergibt, andererseits ist ein ordentlicher Abriss natürlich nur mit der Abriss-Birne zu bewältigen, mit vollem Karacho fällt das Gebäude der Vergangenheit zusammen.

In luziden Erinnerungsfenstern tauchen Kindheitserlebnisse auf, die Zeit ist flüchtig betrachtet hell und schmeckt nach Aufbruch und fünfziger Jahren. Die Kriegsvergangenheit wird halbwegs zur Ruhe gebettet und nur die Zukunft soll zu Wort kommen. Aber für das heranwachsende Kind bleibt diese goldene Aufbruchsstimmung vage und verdüstert.
(...)
Die einzelnen Erinnerungsschüsse pfeifen knapp über den Erzählboden hinweg und zwingen den sich Erinnernden auch nach Jahrzehnten noch zur Deckung. Die Welt hat es nicht gut gemeint mit dieser Abriss-Figur, aber Heinz D. Heisl lässt manchmal Milde walten. Wenn die Vergangenheit zu heftig wird, hilft immer noch der Knicks ins Groteske, und die zu Boden gerungene Biographie wird zu einem monströsen Provinz-Witz, über den man mit etwas Glück selbst lachen kann. Eine brachial-wahre und dennoch feine Art, mit einem geknebelten Leben umzugehen.


Helmuth Schönauer, Lesen in Tirol: http//www.lesen.tsn.at