Mit dem »Märchen vom letzten Gedanken« ist Edgar Hilsenrath ein großer epischer Wurf gelungen. Er erzählt die Geschichte des armenischen Volkes und seiner Ausrottung durch die Türken im ersten Holocaust des Jahrhunderts. Dieser historische Roman liest sich wie ein orientalisches Märchen.


Edgar Hilsenrath

Das Märchen vom letzten Gedanken

Gesammelte Werke, Band 6 Herausgegeben von Helmut Braun

Dasmärchenvomletzengedanken

Erschienen am: 01.03%.2005 ISBN: 978-3-937717-04-3
ca. 512 Seiten, gebunden
Preis: 24,80 €

Der letzte Gedanke eines Menschen, so heißt es im Märchen, stehe außerhalb der Zeit. Auf dem Tor der anatolischen Stadt Bakir sitzend, erlebt der letzte Gedanke des Thovma Khatisian noch einmal den Leidensweg der Armenier, wie er sich in der Geschichte seiner Familie spiegelt, deren letzter Spross er ist. Geleitet vom Meddah, dem Märchenerzähler, folgt er den Lebensspuren seines Vaters, die aus einem kleinen idyllischen Bergdorf in die Folterkammern der türkischen Machthaber führen. Er wird Augenzeuge des großen Armenienpogroms im Jahr 1915, mit dem die Regierung in Konstantinopel das Armenienproblem ein für alle Mal zu lösen versuchte. Ein Buch vom Kreuzgang eines Volkes, das zugleich das Buch einer Auferstehung ist, ein grausames Buch und dennoch ein Buch der Liebe, des Glaubens, der Wunder. Die Handlung des Romans, der sich wie ein morgenländisches Märchen erzählt, greift weit in die armenische Geschichte zurück und überrascht mit ihrer Fülle an Bildern aus dem armenischen Volksleben, aus den Sagen und Überlieferungen einer urchristlichen Nation. »Das Märchen vom letzten Gedanken« ist ein Epos über eines der bestvergessenen Verbrechen des letzten Jahrhunderts. Edgar Hilsenrath erzählt es als Totenklage um die Opfer aller Völkermorde aller Zeiten.